„Landfrauen backen“

Ein Freilichtmuseum quasi vor der Haustüre hat nicht jeder. Eine ganze Weile hat es gedauert bis wir diese Saison tatsächlich mehrfach dort gewesen sind,  Oldtimer und Unimogs bestaunt, fantastischen Leberkäse und alkoholfreien Frucht-Secco genossen und natürlich im dazugehörigen Laden gestöbert haben. Sehr empfehlenswert! *klick*

Ein kleines Büchlein hatte es mir so angetan dass ich tatsächlich beim Verlag um ein Rezensions-Exemplar nachfragte und kurze Zeit später hielt ich das Büchlein in der Hand.

Landfrauen backen, so heißt es- und die Kurzbeschreibung könnte lauten: Klein aber sowas von oho!

Vom Titelbild lacht uns ein prächtiger Guglhupf an und beim ersten Umblättern erblicken wir Nuß-Ecken, ausgerechnet.

Fängt man tatsächlich an zu lesen in den Rezepten und Geschichten aus Baden-Württemberg wird man zunächst mitgenommen auf eine kleine Kulturgeschichte des Backens, angefangen vom Brei aus gemahlenem Getreide über „Pane et Circensis“ bei den Römern bis hin zur heutigen Vielfalt die in häuslichen wie professionellen Backstuben aus den Öfen gezogen wird.

Wie sich Landfrauen an den Jahreszeiten orientieren, die Zutaten ihrer Backwerke betreffend, erfahren wir in einem weiteren Kapitel. Interessant, besonders für in Städten Wohnenende die das saisonale Angebot an Früchten etc. weniger direkt wahrnehmen als ich hier auf dem Lande.

Ausführlich widmet sich das Büchlein nun den Grundlagen- verschiedene Getreide werden genauso vorgestellt wie Gerätschaften und auch Tipps zur Aufbewahrung von Brot und Backwaren fehlen nicht. Die kleinen Abschnitte mit Erinnerungen an frühere Zeiten machen Freude zu lesen- wie beispielsweise das Brot im Keller aufgehängt wurde bis zum nächsten Backtag – manchmal zwei oder drei Wochen später. Und wie es dann gegen Ende die Konsistenz veränderte- heute würden wir so etwas wohl  nicht mehr essen.

Nun gehts endlich an „alte und neue Rezepte vom Land“, folgende Einteilung finden wir:

Abwechslung mit Grundrezepten

Brot und Brötchen

Gebäck zu Bier, Wein und Most

Süßes für jede Jahreszeit

Feines für die Fest-Tage.

Und was für eine Fülle an Rezepten in jedem Kapitel, unfasslich, noch dazu gibt es interessante Informationen „ganz nebenbei“. Wie diese, dass Grundrezepte sich nie in den Aufzeichnungen der Mütter, Tanten und Großmütter finden- diese Rezepte wurden quasi im Schlaf beherrscht, an jede Generation „learning by doing“ weitergegeben  und bedurften so keiner Aufzeichnung. Nur gut dass dieses Wissen beispielsweise in den Landfrauen-Vereinen gepflegt und erhalten wird.

Bei den Grundrezepten finden wir alles Nötige, vom Hefeteig über Quark-Öl-Teig hin zu Strudelteig und Biskuit in Varianten. Immer mit praktischen Tipps, warum zum Beispiel im Biskuit für eine Roulade keine Stärke drin ist- aha!

Brot und Brötchen- die Rezepte in diesem Kapitel sind vielfältig und interessant, mir allerdings etwas zu hefelastig. Macht aber nix, ich kann mir die Rezepte nach meiner Fasson anpassen. Funktionieren tun sie auf alle Fälle und sind, eventuell unter Zuhilfenahme des Grund-Rezepte-Teils, gut verständlich und damit umsetzbar, auch für eher Ungeübte.

Folgt mein Lieblingskapitel: Gebäck zu Bier, Wein und Most. Hier werden Speck  Zwiebeln, Käse, Gewürze in die unterschiedlichsten Backwerke verbraten- kennt ihr Bogadscherl oder Bätscher? Eben.

Süßes für jede Jahreszeit- hier finden wir trockene Kuchen wie Marmor-, Gewürz- oder Zebrakuchen; Blechkuchen- beispielsweise einen Zitronenkuchen vom Blech; Hefegebäck- hier dürfen Schneckennudeln und Flachswickel nicht fehlen, genauso wie der traditionelle Sonntagszopf. Backwerke die schnell auf dem Tisch stehen falls sich überraschend Besuch ankündigt dürfen nicht fehlen, und natürlich gibt es Rezepte für Sonntagskuchen. Hier wird mit Obst, Sahne und dergleichen nicht gespart, Käsekuchen oder Donauwellen finden wir beispielsweise.

Feines für die Fest-Tage, hier prangt am Anfang des Kapitels die Schwarzwälder Kirschtorte, klar, oder? Weihnachtsgebäck und traditionelle Osterkuchen schließen sich an.

In all diesen Kapiteln finden wir immer wieder kleine Geschichten aus früheren Zeiten, genauso wie Tipps und Tricks aus jahrelanger gesammelter Erfahrung.

Die Rezepte, immerhin fast 180 verschiedene sind in diesem kleinen Büchlein versammelt, wurden alle mehrfach getestet und sind durchaus sehr gelingsicher. Bilder gibt es vergleichsweise wenig, was mich überhaupt nicht stört.

Mein Fazit? Wer gerne bäckt und mehr Wert auf Inhalt als auf Äußerlichkeiten legt wird an diesem Buch viel Freude haben, ja fast könnte ich sagen – wer dieses Buch besitzt braucht kein weiteres Backbuch mehr.

Ihr seid zum Adventskaffee eingeladen? Hier habt ihr ein feines Mitbringsel.

Gebacken hab ich natürlich auch schon:

Die Nuß-Ecken folgen; die Brötchen findet ihr hier und ein weiteres Gebäck ist noch geheim…

Nachtrag- im Januar erscheint eine Neu-Auflage, meine Vorstellung bezieht sich auf die erste Auflage, die hier *klick* direkt beim Ulmer Verlag bestellt werden kann.

Landfrauen backen. Rezepte und Geschichten aus Baden-Württemberg. Doris Bopp. 2012. 128 S., 50 Farbfotos, kart.

ISBN 978-3-8001-7673-1. € 9,90

 

Dass der Verlag mir das Exemplar kostenlos zur Verfügung stellte hat meine Meinung in keinster Weise beeinflußt.

 

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7 Gedanken zu „„Landfrauen backen“

    1. oh ein hohes Lob von der Rezensions-Queen… mir gefällt das Buch auch wirklich ausnehmend gut und ist ideal für die doppelte Haushaltsführung, weil leicht transportabel und trotzdem steht alles drin!

      Gefällt mir

  1. Klasse! Landfrauen Koch-/Backbücher sind meist die besten….die haben das einfach drauf :D…Ich habe auch ein Exemplar, allerdings von dem regionalen Vereien hier bei uns…aber da stehen auch wirklich leckere Sachen und oft auch Klassiker drin ;)….Naja, und wenn demnächst zu weihnachten wieder die ganze Familie vor der Tür steht mus man ja auch wieder ordentlich backen :D…nächste woche geht es dann bei mir mit den Vorbereitungen los….momentan bin ich noch mit zwei meiner Mädels in nem wellnesshotel südtirol ….die ruhe vor dem Sturm genießen :D….also vielen Dank auch für diesn Beitrag und noch einen schönen Abend! Maren

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