Ehre?

Ehre– wohl kaum ein Wort das so sehr kulturell bestimmt wird wie dieses.

Ehre, „Honour“ lautet der Titel  eines Romans der türkischen Schrifstellerin

Elif Shafak.

Es war das erste ihrer Bücher das ich in die Finger bekam und steht auch nach Lektüre einiger weiterer Werke von ihr unangefochten auf Platz eins, meiner bescheidenen Meinung nach.

Erzählt wird die Geschichte einer kurdischen Türkin, von der Geburt nahe der syrischen Grenze bis zu ihrem Tod ebenda. Erzählt von ihrer Tochter, beginnt die Geschichte eigentlich an ihrem Ende. Die Tochter, erwachsen, macht sich auf den Weg ihren älteren Bruder aus dem Gefängnis abzuholen. In etlichen Kapiteln, überschrieben mit dem Namen einer der handelnden Personen sowie dem Zeitpunkt dessen was gerade passiert, entfaltet sich das Leben von Pembe. Die Kinderzeit mit der Zwillingsschwester Jamila und sieben älteren Schwestern, der über diesen ununterbrochenen Mädchensegen verbitterten Mutter- in diesen Zeiten werden bereits die Spuren gelegt die zu den späteren tragischen Ereignissen führen. Interessanterweise ist es hier die Mutter die ihre Ehre in Gefahr sieht, ihre Unfähigkeit einen Sohn zu gebären kostet sie das Leben. Der Vater erscheint eher warmherzig und am Wohlergehen all seiner Töchter interessiert- soweit es die Regeln der dörflichen Gemeinschaft und das Ehrgefühl zulassen.

Sie heiratet früh, einen Mann mit einer ehrenrührigen Familiengeschichte. Ihren ältesten Sohn, ihren Sultan, liebt und verwöhnt sie über Alles.

Die Familie siedelt später von Istanbul nach London über, vergrößert sich um eine Tochter und einen weiteren Sohn. Immer wieder kommt der Ältere der Söhne zu Wort, aus  dessen Perspektive entwickelt sich die Geschichte rückwärts, Gedanken aus dem Gefängnis führen uns zu den Ereignissen die ihn dorthin gebracht haben.

Pembes Mann erliegt seinen Schwächen, verläßt die Familie für eine Tänzerin, verzockt alles Geld. Pembe, sie lernt einen sehr besonderen Mann kennen- wir mit unsrem westlichen Lebensstil können uns kaum vorstellen was für einen Kampf sie mit sich und ihrem Begriff von Ehre ausficht- und es sind tragische Mißverständnisse, eine Verkettung ungünstiger Umstände wie sie eigentlich nur das Leben selbst erfinden kann die zu einem tragischen Tod führen.

Ein sehr lesenswertes Buch, aus mehreren Gründen: Die Schreibe ist schön, eher unaufgeregt, die orientalische Mentalität wird spürbar. Ich kam ins Nachdenken- was wenn mensch als Frau in eine Gesellschaft geboren wird in der die Ehre der Männer vom Verhalten ihrer Frauen abhängt? In der die Männer sich jede Macht über ihre Frauen anmaßen, seien es Töchter, Mütter, Ehefrauen? Zudem schafft Frau Shafak für jede ihrer Figuren Empathie zu erzeugen; Esma die Tochter mit ihrer Wut; Yunus, der jüngste, verträumte Sohn; Iskender, der Erstgeborene, überfordert nach dem Weggang des Vaters; der Vater mit seinen zahlreichen Schwächen. Das Denken und Handeln all dieser Personen wird verständlich, trotz großer gedanklicher Entfernung zu eigenen Handlungsmustern und Vorstellungen.

Pembe möchte für ihren jüngeren Sohn Reispudding kochen, als sie den Mann trifft der Anlaß- nicht Ursache- für all die dramatischen Geschehnisse wird. Und so habe ich einen

Türkischen Reispudding mit Safran

für euch mitgebracht. Nicht ganz authentisch, eigentlich besteht die Garnitur aus Pistazien. Mit den in London angebotenen Pistazien ist Pembe allerdings unzufrieden, zu teuer, zu schlechte Qualität, und nimmt stattdessen Haselnüsse.

Der Pudding braucht seine Zeit:

1/4 Tl Safranfäden werden in

1/4l heißem Wasser eingeweicht

115g Reis (eher rundkörnig, Risotto-Reis) ebenso, beides mindestens eine Stunde, gerne auch länger.

Nun wird das Safran-Wasser in einen Topf gegeben, dazu

30g Stärke (2 El ungefähr) und den Reis, letzterer abgegossen und durchgespült. Vorsichtig wird die Hitze eingeschaltet, unter viel Rühren darf sich die Mischung erwärmen.

Wenn nach 10-15 min die Reiskörner anfangen weich zu werden (je nach Herd kann das auch bis 20 min dauern)  kommt hinzu:

160g Zucker

Schale und Saft einer Orange (ca 120 ml)

2 El Orangenblütenwasser

1 Prise Salz

alles wird weitergeköchelt und gerührt, solange bis die Masse gut angezogen hat, der Reis sollte noch ein klein wenig Biß haben.

Nun wird der Pudding in eine kalt ausgespülte Schüssel – oder in Portionsgläschen- gefüllt; ich habe 6 Portionen draus gemacht; und mit

2-3 El gehackten Haselnüssen bestreut.

Zur Genußreife kommt der Pudding einige Stunden, am Besten über Nacht, in den Kühlschrank. Ein sehr feines Dessert und durch mein radikales Kürzen der Zuckermenge (450g im Original) ganz nach unserem Geschmack. Der Reis gibt dem Ganzen einen interessanten Biß..

 

 

Zum Schluß ein passendes Zitat:

O, über die wilden, unbiegsamen Männer, die nur immer ihr stieres Auge auf das Gespenst der Ehre heften, für alles andere Gefühl sich verhärten!

Gotthold Ephraim Lessing

Dank an Shermin für die Idee und das Sammeln der Beiträge für Lesehungrige

Auf dem Bücherstapel findet ihr links zu den von mir erwähnten Büchern (im Aufbau)

 

9 Gedanken zu „Ehre?

  1. Elif Shafak macht tolle Bücher. Und ich muss mich endlich mal am Riemen reißen und etwas zum Lesehungrig-Event beisteuern. Ich weiß sogar, welches Buch ich mir vornehmen würde. Dazu müsste ich es aber nochmal lesen, und es drängen sich dauernd andere Bücher vor…..

    1. ja, nicht ganz einfach… ich brauch auch immer zwei Durchgänge durch ein Buch. Da mir diese Art des bloggens aber so viel Freude macht lass ich inzwischen manches andere weg….

    1. soo spätes Frühstück? Lass es dir schmecken…
      Ich hab inzwischen noch einige andere ihrer Bücher gelesen, die waren nicht schlecht aber an dieses reichen sie nicht heran, so meine Meinung.

  2. Man kann dem Schicksal gar nicht oft genug dankbar sein, dass man in Mitteleuropa zu dieser Zeit auf die Welt gekommen ist. Dieser unselige Ehrbegriff knechtet so viele Menschen auf der Welt!
    Dein Pudding hingegen klingt sehr fein! So wie viele türkische Gerichte mein Ding sind, scheint es dieser Pudding auch werden zu wollen.

    1. Der Pudding wird dir bestimmt gefallen.
      Ja, wir haben das Glück hier ein Leben in Freiheit und voller Chancen zu führen- und doch ist so viel Unzufriedenheit spürbar.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.