Sonntagshuhn oder die Kunst des Weglassens

Vielleicht liegt es ja am König Henri IV dass in  Frankreich die Geflügel-Tradition ganz hervorragende Ergebnisse liefert? Schließlich hat er bereits im 17. Jahrhundert den „Poule au Pot“ propagiert, einen Beschluß der jeder französischen Familie für den Sonntag ein Huhn im Topf und auf den Tisch garantieren sollte. Ob das über die Jahrhunderte immer so geklappt hat erscheint fraglich; der Tradition des Poule au Pot haben alle politischen Umwälzungen wenig anhaben können. Das köstlichste Huhn das auf einem sonntäglichen Tisch landen kann ist zweifelsohne das

Bresse-Huhn;

eine Hühner-Rasse die sich in den französischen Nationalfarben präsentiert. Blau- die Füße; Rot- der Kamm; Weiß- das Gefieder. Genau ein solches Huhn zu erwerben war unser Ziel beim Besuch der

Markthalle im elsässischen Mulhouse.

Ein überaus lohnendes Ziel, vor Allem wenn der Besuch morgens mit Milchkaffee und Pain Chocolat auf der Empore im Café-Restaurant beginnt, mit prächtiger Aussicht auf das geschäftige Treiben.

Wieder zuhause angekommen stellt sich die Frage, wie diesem grandiosen Huhn Ehre erweisen? Die Antwort heißt eindeutig- weniger ist mehr. Ich erinnerte mich an dies köstliche Buch der fabelhaften Köchen Lea Linster, blätterte und las: Knusprig gebratenes Huhn aus dem Ofen.

Ich suchte ein großes Gefäß mit Deckel, gab das

Huhn  (ca 1,6 kg) hinein, übergoß es mit einer Brine aus

3l Wasser und

60g grobem Meersalz und ließ es über Nacht in der Kühle der Novembernacht ziehen.

Am nächsten Tag ließ ich das Huhn abtropfen, platzierte es auf mehreren Lagen Küchenkrepp, mahlte

schwarzen Pfeffer darüber und massierte ringsum in die Haut ungefähr

50-60g Butter kräftig ein.

Sodann kam das Huhn in den auf 180° Umluft vorgeheizten Ofen, auf den Rost, eine Pfanne oder Bräter daruntergestellt, für eine knappe Stunde.

Fertig.

Köstlich.

Überaus köstlich.

20 Gedanken zu „Sonntagshuhn oder die Kunst des Weglassens

    1. neenee, das Huhn war küchenfertig vorbereitet, nur die blaueb Füße hab ich noch abgeschnitten. Fährt man in die tatsächliche Heimat dieses Huhns, kann es passieren dass Kopf und alle Innereien auch noch mit drin sind.

  1. Ich lese Ihren Blog mit grösstem Vergnügen seit längerer Zeit und die musikalischen Leckerbissen sind sehr interessant. Dass Sie nun den Marché in Mulhouse besucht haben, den ich seit den späten 60er Jahren schätze, rührt mich sehr.
    Mit herzlichem Gruss aus Basel

    1. Oh wie schön, dies zu lesen freut mich sehr. Auf den Marché sind wir im letzten Jahr ganz zufällig gestoßen und waren sofort begeistert, dort herrscht wirklich eine ganz besondere Einkaufs-Atmosphäre. Ist nur ein wenig weit um öfter hinzufahren- so bleibt er etwas Besonderes für uns.

  2. Gerade noch habe ich mit Jhuls über Hühner schwadroniert, und nun sowas! Das sieht aber schwer lecker aus :-) Vielleicht schon was für nächstes Wochenende …

    1. Brine ist eigentlich ganz einfach, je 20g Salz auf 1 l Wasser und mindestens 6 Stunden ziehen lassen. Das Fleisch wird wunderbar zart und saftig und muß nicht mehr gesalzen werden, jede andere Würzung nehme ich nach dem Brine-Bad vor. Viel Erfolg!

  3. Das ist einer meiner Träume, einmal so ein Bresse-Huhn in einem Stück so wunderbar braun vor mir liegen zu haben! Mir rinnt hier das Wasser im Mund zusammen.

  4. Ich hatte auch schon einmal das Glück, eine Bresse-Huhn zu ergattern. Habe es allerdings im Bratschlauch gegart. Dadurch war die Haut nicht so herrlich knusprig wie bei dir. Aber zum Glück weiß ich, wo es Nachschub gibt. ;-)

    1. Das ist unbedingt ein Pluspunkt, eine Quelle für dieses köstliche Huhn zu wissen. Mulhouse ist auch für uns etwas weit- so bleibt es ein ganz besonderer Genuß.

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