Omas Restle-Küche

Rezension

Vom Freilicht-Museum in Beuren habe ich schon das eine oder andere Mal berichtet; kürzlich statteten wir wieder einmal einen Besuch ab um Samen seltener und alter Gemüse-Sorten zu erstehen. Selbstredend begutachteten wir bei diesem Anlass das stets wechselnde Bücher-Angebot des Museums-Shops. Diesmal hatte es mir ein überaus liebenswertes Büchlein angetan, kurze Zeit später zog es bei mir ein. Ein Buch das mir auf jeder Seite ein Lächeln ins Gesicht zaubert, so liebevoll ist die ganze Gestaltung; jede Seite zeigt Muster von alten Tapeten oder Bordüren, viele historische Aufnahmen sind im Buch enthalten und wenn Essen zu sehen ist, dann in alten Bilderrahmen. Seht selbst:

 

Zu Beginn gibt es eine ausführliche Einleitung, von der Errungenschaft des Feuers über die Erfindung von Kochtöpfen und Mahlwerkzeugen geht es weiter zu allerlei Wissenswertem und Kuriosem in puncto Essen und die Auswirkungen- wer weiß schon dass auf der Laichinger Alb kaum Männer zu finden waren die für den Miltärdienst taugten- sie waren aufgrund der kärglichen Ernährung einfach zu klein dafür. Auch mit der weit verbreiteten Ansicht Moscht sei ein urschwäbisches Getränk wird aufgeräumt.  Also ihr seht schon, dieses Buch ist eine wahre Fundgrube für Fans von Omas Küche und deren Geschichte und Geschichten.

Die Rezepte sind nach Art oder Zutat unterteilt, so gibt es Kapitel über Suppen, Kartoffeln, Spätzle oder Quark, Löwenzahn und Brennessel sind vertreten. Jedem Kapitel geht wiederum eine kurze Einleitung voraus, was genau diese Zutat oder Art der Speise so besonders macht, welche Erinnerungen der Autor bei sich selbst oder anderen ausgegraben hat.

Die vorgestellten Gerichte sind kohleydratreich, es gib Kartoffeln, Getreide, Spätzle in etlichen Variationen mit überaus einfach zu beschaffenden Zutaten, exotischer als Muskat, Lorbeer oder Pfeffer wird es nirgends. Fleisch ist eine Seltenheit, Suppenhuhn oder Siedfleisch sorgten früher für seltene Hochgenüsse, nicht ungetrübt da ja dann das Huhn zum Eierlegen fehlte.

Spontan haben mich die vielfältigen Rezepte mit Quark angelacht und es gelang tatsächlich mein Kartoffelpuffer-Trauma aus Schulzeiten zu überwinden- mit  „Quark-Kartoffelpuffern“ .  Testen möchte ich noch beide Varianten der Schupfnudel, die bekannte aus Kartoffeln und die eher unbekannte aus Quark und Mehl, die erinnern mich sehr an die allseits beliebten Ricotta-Gnocchi. Dem heutigen Zeitgeist angemessen sind die Rezepte mit Gramm-Angaben versehen, was alle freuen wird die vergeblich versuchten die Maß-Einheiten von Mutters oder Omis Rezepten zu durchschauen.

Quark-Kartoffelpuffer

Man nehme ungefähr

500g festkochende Kartoffeln, reibe diese in rohem Zustand und lasse etwas über einem Sieb abtropfen. In einer großen Schüssel mische man

175g Quark (ich hatte welchen aus Ziege)

250g Creme Fraiche oder Schmand

80g Grieß

3 Eier, schmecke mit

Salz ab, mische zuletzt die geriebenen abgetropften Kartoffeln drunter und brate in

Butterschmalz (oder Rapsöl) Puffer in der gewünschten Größe aus.

 

Wir hatten – passend zum Thema- ein „Restlesgemüse“ aus Lauch, Paprika und Zwiebeln dazu, genausogut könnte ich mir einen grünen Salat vorstellen oder die süße Variante- Apfelmus, Zucker und Zimt, wer mag. Ebenso läßt sich der Teig nach Geschmack aufpeppen, mit frischen Kräutern und Gewürzen, je nach Geschmack, Lust und Laune- wie der überwiegende Teil der Rezepte.

Mein Fazit- ein sehr schönes liebenswertes Buch für alle die nicht nur gerne kochen sondern gerne lesen, und die sich gerne mit den gewachsenen und teils in Vergessenheit geratenen Essgewohnheiten unsrer schönen Gegend beschäftigen möchten- back to the roots, sozusagen. Mir, die ich keine Vorfahrinnen zur Verfügung hatte als ich kochen lernte, stellt das Buch ein kleines Schatzkästlein dar.

 

Werbe-Block, Facts zum Buch

Freilichtmuseum Beuren– immer einen Besuch wert

Omas Restleküche; Autor Siegfried Ruoß, Koch und aufgewachsen auf der schwäbischen Alb. Erschienen ist das Buch im Silberburg Verlag; ISBN 978-3-8425-1443-0 und ist für € 19,90 erhältlich. Der Verlag hat mir das Buch kostelnlos zur Verfügung gestellt, was meine Begeisterung kein bißchen beeinflußt hat.

 

 

 

 

6 Gedanken zu „Omas Restle-Küche

  1. Wenn ich wieder in HH bin, gucke ich mal nach dem Buch, es hört sich sehr nett an.
    Ich hatte eine Omi, die mir beibrachte, wie man ein Rührei zubereitet (immer einen Schluck Wasser dazu) und Filterkaffee aufbüht (immer eine Prise Salz daran). Von ihr besitze ich auch noch ein paar handgeschriebene Rezepte für pommersche Lieblingsgerichte, die ich immer gern mal wieder koche. Ich wünschte manchmal, ich hätte sie nach noch mehr davon gefragt.

    1. Ja, die Sache mit den Omis… ich war zu klein. Das Büchlein wird wohl in HH nur auf Bestellung zu kriegen sein, Die Geschichten sind doch sehr schwäbisch

  2. Eine schöne Buchbesprechung! Resteküche ist etwas, das viel zu selten gekocht wird, dabei ist es doch das, was immer in der Küche zu finden ist.

    1. und wenn dann eher im Wok oder som Oma-Gerichte sind irgendwie out. Dafür ist das Büchlein wirklich schön und enthält noch ein paar Anregungen die ich gerne umsetzen möchte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.