Fish& Chips oder die Fast-Food-Lüge

Fish & Chips gehören mit zum ersten „Fast-Food“ weltweit, ihren Ursprung haben sie in England. Mit Erfindung der Eisenbahn konnte frischer Fisch in Windeseile nach London gebracht werden, wo die Stadtbevölkerung, ohne Garten und oft auch ohne eigene Küche, sich gerne mit diesem in Zeitungspapier eingewickelten Gericht  auf die Hand versorgt haben. Irgendwo las ich sogar vom ersten Lieferdienst für warmes Essen, ich meine es wäre in Schottland gewesen wo diese Geschichte mit Fish&Chips anfing. Zeitungspapier wird heute nicht mehr verwendet- schließlich weiß kein Mensch wie gesundheitsgefährdend so ein wenig Druckerschwärze  sich auswirken kann….. Hier in der Südwest-Ecke Deutschlands hab ich noch nie wirklich gut schmeckende Fish&Chips gegessen- und dachte jedesmal- wie schaffen die das bloß ein fritiertes Gericht derat schlapp hinzukriegen, das müßte doch besser zu machen sein.

Ist es auch- allerdings kann bei der Zubereitung im eigenen Haushalt von „Fast-Food“ nicht mehr die Rede sein, so erheblich ist der Zeit-Aufwand. Mir juckte es in den Fingern seit ich in meinem neuesten Lieblingsbuch* ein Rezept dafür entdeckte- mit Wodka im Ausbackteig. Das mußte ich einfach testen! Belohnt wurde die Mühe mit wunderbar zartem, wohlschmeckenden Fisch in filigraner, zarter Hülle, Chips der Sonderklasse und die hausgemachte Mayonnaise in drei Geschmacksvarianten ergänzte das Ganze wunderbar, wenn auch nicht ganz stilecht.

Los gehts!

In einer Schüssel, groß genug dass die Fischteile darin gewendet werden können, mischte ich

250g Mehl Typ 550

75g Stärke

3g Backpulver

1/4 Tl Rauchpaprika-Pulver

1/4 Tl Ras-el-Hanout*

1 Tl Salz und platzierte die Schüssel im Gefrierschrank.

Für die „Chips“ nahm ich

5 große Kartoffeln, schälte sie, schnitt sie in unregelmäßige Stücke und gab diese für ca 10 min in kochendes Salzwassser– wichtig ist die Konzentration:

10g Salz auf 1 l Wasser. Abgießen, gut ausdampfen und abkühlen lassen.

Meinen Kampf mit der hausgemachten Mayonnaise erspare ich euch für heute- jedenfalls nahm dieser einen erheblichen Teil der Zeit ein, zum Glück mit wirklich gutem Ergebnis.

Die Kartoffeln hatten jedenfalls gut Zeit sich abzukühlen und ich erhitzte

Erdnuß-Öl (die Menge hängt von eurem Gefäß ab) in einer großen tiefen Pfanne, ungefähr 4 cm hoch und nicht zu heiß. 130° nach Augenmaß….. nicht so heiß dass am hineingestecken Holzlöffel Bläschen aufsteigen aber so heiß dass ein Wassertropfen spritzt. In zwei Portionen- je nach Größe der Pfanne oder Friteuse-  fritierte ich die Kartoffelteile an, solange  bis die Oberfläche leicht blasig wurde und eine minimale farbliche Veränderung feststellbar war.  Auf einem Kuchengitter durften sie abtropfen und wiederum abkühlen.

In der Zwischenzeit hatte ich meinen Fisch- ca

300g Rotbarsch und

300g Steinbeißer je als Filet in passend große Stücke geschnitten. Die Mehl-Schüssel kam aus dem Eis, der Inhalt wurde mit

200 ml kaltem Wodka und

400 ml hellem Bier, ebenfalls kalt verrührt. Dies sollte tatsächlich erst unmittelbar vor der Zubereitung geschehen…. das Öl in der Pfanne wurde wieder aufgefüllt, hocherhitzt auf 180° etwa- jetzt müssen am Holzlöffel Bläschen aufsteigen. Die Fischstücke, immer so 5-6 Stück auf einmal, zog ich durch den Teig und gab sie  vorsichtig in die Pfanne. Nach 2- 3 Minuten einmal wenden, und bevor die Teigspitzen dunkel werden die Teile aus der Pfanne fischen. Bei mir wanderten sie in eine Schüssel die im Backofen auf 80° vorgewärmt war in ebendiesen Ofen. Um den Teig optimal auszunutzen warf ich auch noch ein paar Röschen Broccoli die ich im TK gefunden hatte hinein, diese brauchen weniger Zeit um gar zu werden.

Als aller Fisch fritiert war kamen – nach vorherigem Ergänzen und Aufheizen des Öls- die Chips noch einmal in die Pfanne und wurden bis zu einer appetitlich anmutenden Bräune ausgebacken.

Finger-lickin‘ good… es war eine echte Schwelgerei und ein Hochgenuß und mit den hochwertigen Zutaten meilenweit entfernt von Allem was es fixfertig irgendwo zu kaufen gibt.

Schade nur, die Teigmenge war etwas üppig, da würde ich nächstes Mal weniger machen. Aufheben läßt er sich nämlich leider nicht.

Schmeckt vermutlich an solchen „foggy days in London“ besonders gut….

 

Service-Block

*Salt, Fat, Acid, Heat – Näheres im Bücherstapel

*Ras-el-Hanout, meine Eigenkomposition

4 Gedanken zu „Fish& Chips oder die Fast-Food-Lüge

  1. Ich muss das auch dringend mal selbst machen. ich gestehe, Fish and Chips erst einmal gegessen zu haben, und zwar am Strand von Hunstanton. So richtig toll war das nicht, eher etwas arg fettig. Das spricht sehr dafür, sich am Selbermachen zu versuchen….

    1. unbedingt, liebe Susanne! Dieser Teig ist so fein und filigran, ein wenig sieht man das auf den Fotos- und wenn du einen gescheiten Löffel zum Rausfischen aus dem Fett hast, tropft ja das Meiste ab. Zudem Rapsöl oder Erdnußöl sind auch gesund….

  2. Bewundernswert, dass du dir diese Mühe gemacht hast. Ich mag Fish and Chips auch gern, kann es aber zum Glück hier in Bar Harbor in guter Qualität in mehreren Pubs bekommen.
    Danach braucht man garantiert kein Abendessen mehr 😊

    1. Liebe Karin, ja da hast dus vergleichsweise gut- hier gibt es weit und breit kein Meer und es ist überhaup GLückssache Fisch in guter Qualität zu finden.

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