Meine zehn Favoritinnen

Lesen- was für eine Errungenschaft für die Menschheit! Kein Tag vergeht ohne dass ich die Nase in ein Buch stecke. Und mit der Jugend schon ein paar Tage hinter mir ergäbe sich ein ganz beachtlicher Turm aus den von mir gelesenen Büchern. Schwierig daraus Lieblinge auszuwählen, noch schwieriger sich auf zehn zu beschränken.

Facebook ist wieder mal schuld- die diesjährige Aktion der „Bookaholics“ (sagt das nicht alles) befasst sich mit Autorinnen und so habe ich mich der schweren Aufgabe unterzogen festzulegen welche zehn Bücher von Frauen verfasst nun wirklich einen Platz auf der Favoritinnen-Liste verdient haben. Entschieden habe ich mich letztlich für zehn Bücher die irgendwann einmal wichtig waren, es vielleicht immer noch sind, die mein Herz besonders berührt haben.

No1: Annemarie Selinko: Desirée. Das war mein erstes Buch aus der Welt der Erwachsenen, und eins das mein jugendlich-verträumtes Herz im Nu erobert hat. Das fiktive Tagebuch der Eugénie Desirée Clary, Seidenhändlerstochter aus Marseille, die mit Napoleone Buonaparte verlobt war, später General Jean-Baptiste Bernadotte heiratete, den Mann den die Schweden auf ihren Königsthron holten. Das Buch ist für mich selbst jetzt noch so tröstlich wie ein Glas heiße Milch mit Honig, ein Trost-Trunk dem auch Desirée immer mal frönt… Eine schöne Geschichte, mit gut recherchiertem geschichtlichem Hintergrund. Die Gestaltung als Tagebuch gibt der Figur viel Freiheit, das junge Mädchen das sich in den gefährlichen Zeiten der französischen Revolution und danach zur Frau entwickelt, irgendwie in die große Politik gerät und dabei doch immer zutiefst menschlich und weiblich bleibt- ach, ich mag das Buch einfach.

 

No2: Hope Edelman: Töchter ohne Mütter. Ein für mich ganz persönlich überaus wichtiges Buch! Hope Edelman hat früh und schmerzlich schnell ihre Mutter verloren, was ihre Persönlichkeit, ihr Leben, geprägt und verändert hat. Sehr. Sie stellte fest, wieder und wieder, dass sie sich in etlichen Verhaltensweisen von ihren Altersgenossinnen unterschied, zudem dass ihr Umfeld sehr schlecht bis garnicht mit einem mutterlosen Teenager weiblichen Geschlechts umgehen konnte. So startete sie ihr Buchprojekt mit einem Aufruf an Frauen und Mädchen die ihre Mutter verloren hatten, ihr zu schreiben- von ihren Erfahrungen, ihren Gefühlen und Empfindungen. Sie erfuhr genug Resonanz um ein ganzes Buch zu verfassen- in dem sie nicht groß analysiert, sie beschreibt ganz einfach die Parallelen in Verhaltensmustern- der betroffenen Frauen und des Umfelds. Betroffenen Frauen hilft das Buch, ihre Besonderheiten mit mehr Selbstbewußtsein zu leben; dem Umfeld zu mehr Verständnis.

Das Buch ist leider vergriffen, mit der englischen Ausgabe „Motherless Daughters“ haben interessierte Frauen vielleicht mehr Glück. Männer natürlich eingeschlossen.

No3: Marion Zimmer-Bradley: Die Feuer von Troja. Der trojanische Krieg, ganz aus der weiblichen Perspektive und als Roman beschrieben- klasse. Wer gerne die griechischen Sagen gelesen hat wird Freude an diesem Buch haben. Ganz neue Aspekte dieser Epoche werden beleuchtet, der Übergang des Matriarchats in die Jahrtausende andauernde Vorherrschaft der Männer, hier wird er spürbar. Hekabe, Mutter von Kassandra und Frau von Priamos, war die Schwester von Penthesilea, der letzten Amazonen-Königin. Und Kassandra selber, geschlagen mit dem Fluch zu sehen ohne Glauben zu finden- Frau Zimmer-Bradley schildert eine starke Frau in einer faszinierenden Geschichte.

No4: Donna W. Cross: Pope Joan (Die Päpstin). Vor vielen Jahren auf deutsch angeschafft, habe ich extra für diese Aktion das englische Original auf meinen Reader geholt. Und war wieder begeistert. Frau Cross nimmt die Legende um eine weibliche Päpstin im 9. Jahrhundert als Ausgangspunkt für ihren Roman. Da die geschichtlichen Hintergründe sehr vage sind entschied sie sich statt eines Sachbuchs einen Roman zu schreiben, den sie mit einem ausführlichen Nachwort ausstattet- mindestens genauso interessant zu lesen wie das Buch selber. Sie geht zum einen auf die heftigen Dementi ein- jede Legende hat ihren Ursprung in einer Wahrheit, warum nicht auch diese? Das Argument es gäbe keinen Beweis einer weiblichen Päpstin im 9. Jahrhundert zieht nicht: die Geschichtsschreibung war im besten Falle lückenhaft – und in absolut männlicher Hand.  Zum anderen zählt sie Beispiele auf von Frauen die Karriere als Mann in Männerdomänen gemacht haben- und sie beschreibt wie sie den Roman überarbeitet hat aufgrund von Anregungen des Lese-Publikums, beispielsweise Zucker (teuer und schlecht verfügbar zu der Zeit) durch Honig ersetzt, durchaus plausibel.

No5: Benoite Groult: Leben heißt frei sein.  Eine Art von Memoiren der französischen Schrifstellerin Benoite Groult, in Teilen als Interview mit einer jungen französischen Journalistin notiert. Frau Groult, geboren 1920, wächst in einem für die damalige Zeit ungewöhnlichen Haushalt auf. Ihre Mutter als erfolgreiche Couturière ist eine Figur des öffentlichen Lebens, der Vater, Künstler, damals eher erfolglos, steht bedingungslos hinter seiner Frau und seinen beiden Töchtern. Frau Groult wird irgendwie zur Feministin, ohne im geringsten kämpferisch zu sein. Eher geschieht dies aus Verwunderung über diese Welt da draußen, in der sie sich immer wieder in einer benachteiligten Position wiederfindet ohne so recht zu wissen wie ihr geschieht. Sehr schön, sehr menschlich, sehr fraulich…. wie sie beispielsweise ihre Faszination mit der griechischen Mythologie und deren Göttinen schildert um dann trocken festzustellen: Unsre Götter tragen alle Bärte im Gesicht. Oder wie sich ereifert: Selber alt zu werden, davor war sie gewarnt worden. Welch ein Skandal allerdings mitansehen zu müssen wie die eigenen Kinder, die frau doch perfekt in die Welt geboren hat, ebenfalls anfangen zu altern, eine Brille benötigen oder sich Krampfadern entfernen lassen. In den Sinn kam mir dieses Buch nach den Diskussionen um das kürzliche Urteil, Frauen müßten sich als „Kunden“ anreden lassen. Frau Groult würde sich sicher wieder wundern…. Zitat: „Von allen Instrumenten zur Unterdrückung der Frau ist die Sprache das Mächtigste und das am Schwierigsten zu Überwindende.“

No6: Margaret Munnerlyn Mitchell: Gone with the Wind (Vom Winde verweht). Zuerst (und zuletzt) gelesen auf deutsch in etwa demselben Alter wie Scarlett, die Heldin, habe ich mir nun in etwa dreimal so alt die englische Version auf den reader geholt. Und stelle fest, Frau Mitchell hat nicht umsonst den Pulitzer Preis gewonnen. Selten bin ich so in eine Atmosphäre eingetaucht wie auf den ersten Seiten dieses Buchs. Zugegeben, sie ist keine besonders sympathische Person, diese Scarlett O’Hara. Durch Erziehung in das Korsett der Southern Belle gepreßt, das ihr denkbar schlecht paßt und all ihre natürlichen Anlagen unterdrückt schafft sie es durch genau diese Anlagen sich und ihre Familie durch die Sezessions-Kriege und die Nachkriegszeit zu bringen. Hintergrund-Infos:  in Korea ein Bestseller, die Frauen dort sehen Scarlett als Vorbild fürs Überleben. Die Idee der Geschichte kam Frau Mitchell wohl durch ihre irisch-stämmige Großmutter die viel, ausführlich und lebhaft von den Gräueln der geschilderten Zeit berichtet hat. Und die Southern Belle, an ihr wurde eisern festgehalten- noch in den 70er Jahren verwunderte sich eine in Gesellschaft ihres Mannes durch den „alten Süden“ reisende Nordamerikanerin über diese Frauen die alle mit 17 schon verheiratet sind?!?werden?!

No7: Diana Gabaldon: Voyager (Ferne Ufer). Diana Gabaldon schreibt eine fantastische Geschichte in dicken Büchern, und sie schreibt ungemein lebendig. Die Geschichte um Claire, die Krankenschwester/Ärztin aus dem 20.Jahrhundert und ihren Mann Jamie aus dem 18. Jahrhundert, in diesem dritten Band erreicht sie für mich ihren Höhepunkt. Wie Claire nach 20 Jahren in unserer Zeit es wagt 200 Jahre zurückzukehren zu Jamie, ihrer großen Liebe, wie die beiden sich wiederfinden- zu schön. Zu spannend.

No8: Elif Shafak: Honour (Ehre) : Das erste Buch dieser Autorin das ich in die Finger bekam, es steht auch nach Lektüre einiger weiterer Werke von ihr unangefochten auf Platz eins- meiner bescheidenen Meinung nach. Erzählt wird die Geschichte einer kurdischen Türkin, von der Geburt nahe der syrischen Grenze überJahre in London bis zu ihrem Tod wiederum in der Türkei. Erzählt von ihrer Tochter, beginnt die Geschichte eigentlich an ihrem Ende. Die Tochter, erwachsen, macht sich auf den Weg ihren älteren Bruder aus dem Gefängnis abzuholen. Die Ehre, Familien-Ehre, sie wird auf sehr tragische Weise spürbar, und immer wieder sind es die Frauen die dem Ehrbegriff ihrer Männer zum Opfer fallen.

No9: Rachel Simon: The Story of a Beautiful Girl (Die Geschichte eines schönen Mädchens). Frau Simon, selbst aufgewachsen mit einer behinderten Schwester, schildert in diesem wunderbaren Buch nicht nur die Geschichte dieses „beautiful girls“ das mit ca 4 oder 5 Jahren in eine Behinderten-Einrichtung in den USA gebracht wird. Sie schildert ebenso das Leben der – völlig normalen- Tochter dieses Mädchens, sowie die Entwicklung und schlussendliche Auflösung der Institution. Sehr schön, sehr spannend, sehr zu Herzen gehend und gelegentlich fassungslos machend- wenn beispielsweise geschildert wird wie die Insassen anstehen müssen um sich alle mit derselben Zahnbürste die Zähne zu putzen….

No10: Anna Gavalda: Alles Glück kommt nie: Anna Gavalda ist in meinen Augen eine begnadete Erzählerin. In diesem meinem Lieblingsbuch von ihr erzählt sie die Geschichte des Charles Balanda, teils läßt sie in selber erzählen, auf eine ganz sympathische Art. Wir erleben wie sein Leben erst durch einen Brief (3 Worte) anfängt zu wackeln, sich durch einen späteren Knall sehr verändert. Ein Buch, das den Kreis zum Anfang dieser Liste schließt, eines das in anstrengenden Zeiten ein feines Lächeln ins Gesicht zaubert, auf französisch-charmante Art.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zumindest erwähnen möchte ich noch „Eat, Pray, Love“ sowie die Damen Susan Elizabeth Philipps; Georgette Heyer, Yoyo Moyes, Jennifer Crusie, Janet Evanovich-  die viel Platz in den Regalen und in meiner Leserinnen-Gunst einnehmen.

4 Gedanken zu „Meine zehn Favoritinnen

  1. Jetzt wurde mein mobiler Kommentar schon wieder verschluckt. Also noch mal: Herzlichen Dank für diese wunderbare Liste und die – wie zu erwarten! – grandiose Musikauswahl. Wunderschön! Vieles kenne ich schon, einiges würde ich am liebsten sofort lesen! Übrigens: Ich habe gerade „Menschenkind“ von Toni Morisson gelesen. Ein Tipp, falls Dir nach „Gone with the Wind“ mal nach der afro-amerikanischen Perspektive ist. Auch „Underground Railroad“ hat mich sehr beeindruckt. Jetzt liegt hier „Heimkehren“ von Yaa Gyasi. Es scheint, als sei das Thema Sklaverei langsam im Mainstream angekommen… Hab ein schönes Wochenende, meine Liebe!

    1. Vielen lieben Dank, liebe Julia, meine Liste ist hocherfreut – und ich natürlich auch. Toni Morrison werde ich sicher demnächst einmal lesen. Und ja, so wie wir hier in unsrer Geschichte einiges aufzuarbeiten haben, ist das in den USA mindestens der Fall. Man sieht, wie lange das dauert….. und wie tief die Wunden sind, und das auf allen Seiten.
      Dir ebenfalls ein wunderbares Wochenende!

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