Millirahmstrudel, die zweite

Ein Buch lag unter dem nicht vorhandenen Weihnachtsbaum, (es waren natürlich mehrere,) mit dem ich mich  inzwischen schon etwas näher beschäftigt habe – Vincent Klink’s Buch über Wien*. Er berichtet in gewohnt üppiger Weise über architektonische, künstlerische, geschichtliche und städtebauliche Eigenheiten Wiens- und sehr ausführlich widmet er sich den kulinarischen Genüssen. Vereinzelt sind Rezepte eingestreut, die durch die üppigen Geschichten drumherum großteils sofortige Nachmach-Reflexe auslösen.

Entschieden habe ich mich für den Millirahmstrudel, da gibt es ja schon ein Rezept (klick) auf diesen Seiten, dies neue hier ist jedoch so anders dass ich es unbedingt mit euch teilen möchte.

Schon das Verfahren der Teig-Herstellung erscheint mir besonders:

Strudelteig

80g Wasser werden aufgekocht, darin

25g Butter aufgelöst.

Auf der Arbeitsplatte vermische ich

50g Weizendunst

100g Mehl (Dickkopfweizen Typ 550)

1 Prise Salz.

Dahinein lasse ich die heiße Wasser-Butter-Mischung laufen und mische gleichzeitig, so dass mir die Flüssigkeit nicht davonläuft. Das geht ganz gut, und nach zwei, drei maligem Durchkneten fühlt sich der Teig schon super-glatt an. Ich knete noch etwas weiter mit den Händen, schlage den Teig mehrmals auf die Platte, und bin ganz begeistert wie gut er sich anfühlt. Ich forme ihn zu einer Kugel, setze diese auf die Arbeitsplatte und stülpe den (vom Wasser kochen) noch warmen Topf  drüber.  So darf der Teig eine halbe Stunde ruhen, dann kommt er gut abgedeckt in die kühle Nachtruhe.

Ebenfalls am Vortag kippe ich

500g Schichtkäse (es geht auch Topfen oder Quark, aber keine „Quarkzubereitung“) in ein Sieb- abgetropft ergeben das am nächsten Tag gut 400g für die Füllung.

Wir haben alle ausgeschlafen und gehen am nächsten Morgen frisch an’s Werk. Zunächst kommt der Teig aus der Kälte, er sollte sich etwas akklimatisieren. Zeit um die Füllung herzustellen, die dem Strudel den Namen gibt. Oder so…

Der Legende nach gab es in Breitenfurt südlich von Wien eine geniale Köchin, zu der sich wochenends halb Wien aufmachte um dort den besten Strudel Wiens zu genießen- eben jenen „Millirahmstrudel“. Milli hieß die Köchin die mit ihrer Brösel-Rosinen-Milch- Füllung die Wiener begeistert hat und so wurde aus dem „Milchrahmstrudel“ eben der Millirahmstrudel. (Bin gespannt was die Wiener Strudlerinnen dazu sagen)

Wir trennen

2 Eier, die Eiweiß werden mit

1 geh TL Vanillezucker (mit 10% echter Vanille) zu weichem Schnee geschlagen.

120 g weiche Butter schlage ich mit

40 g Puderzucker cremig, gebe die

2 Eigelb hinzu,

1 Prise Salz,

dann den abgetropften Schichtkäse,

300 g saure Sahne (ich: gemischt 200 Sauerrahm, 100 Sahne)

Schale von 1/2 Zitrone

1/2 Tl geriebenes Orangeat

und rühre alles solange bis eine gleichmäßige Mischung entsteht.

Zum Schluß kommen noch

3 El Rumsrosinen (stilecht mit Stroh-Rum) und

5 El ziemlich grobe Brösel (von der Neujahrsbrezel)

dazu und werden mit dem Eischnee untergehoben.

 

Der Teig wird auf dem Strudeltuch ausgerollt und ausgezogen, das klappt recht gut…  mit

zerlassener Butter eingestrichen

die Füllung kommt drauf, wichtig ist einen Rand freizulassen. Ich gebe noch

3 El braunen Zucker drüber, dann wird eingerollt und in die gut gebutterte Backform platziert. Ich empfehle eine Auflauf-Form, keinesfalls etwas mit herausnehmbarem Boden!

Es folgt nochmaliges Einstreichen mit zerlassener Butter, dann geht es in den Ofen, 170°, Ober-Unterhitze, für 15 min.

Nun geht es an die „Milli“-Komponente. Ich verrühre

250ml Milch

60g Creme fraiche

3 El Zucker

2 Eier

1 geh.Tl Vanillezucker (echt, 10%Vanille)  gründlichst mit dem Schneebesen.

Nach den 15 min schalte ich den Ofen auf 150° herunter und gieße die Eiermilch komplett und möglichst gleichmäßig über den Strudel.

Im Rezept steht nun „zu Ende backen“ ohne weitere Angabe- ich habe nach häufigen Sichtkontrollen 65 Minuten weitergebacken und dann die Form noch für 2 Stunden im ausgeschalteten Ofen langsam abkühen lassen.

Angeschnitten haben wir das Meisterwerk einen Tag später und sind sehr angetan- saftig, aromatisch, genau die richtige Süße, und die Aromen haben sich zu einem wunderbaren Ganzen verbunden.

Also, er hat’s schon drauf, der Herr Klink, auf seine Tipps ist Verlaß. Mitzudenken empfiehlt sich- das kann eh nie schaden.

* Vincent Klink: Ein Bauch lustwandelt durch Wien, näheres wie immer im Bücherstapel

 

 

4 Gedanken zu „Millirahmstrudel, die zweite

  1. Oh, Strudel habe ich so lange nicht mehr gemacht. Und dieser klingt sehr fein. Besonders der Teig hat es mir angetan, der klingt als ob er sich wirklich gut verarbeiten ließe.

  2. Jöööö, Millirahmstrudel! ❤️
    Den hab ich schon viel zu lange nicht gemacht. Der kommt bei mir immer dran, wenn mir Biskuitreste übrig bleiben, denn die kommen bei mir in die Fülle, damit die ein wenig Stand hat und nicht zusammenplatscht. Bei dir gefällt mit das Orangeat in der Fülle sehr gut. Ich glaub, das muss ich ausprobieren, aber vorher muss ich erst Orangenschalen kandieren.

    Zu der Geschichte mit der Milli: Ich kannte sie nicht. Nachdem ich ein Landei bin und dort die alten Leute in meiner Jugend immer Milli zur Milch gesagt haben, bin ich nie auf die Idee gekommen, dass der Name woanders herkommen könnte.

    1. ja siehst du was ein wenig recherche zu Tage fördern kann… wahrscheinlich führt sich der name auf Beides zurück. Und Biskuitreste sind bestimmt ideal in der Füllung! Zum Orangeat kam es nur in Ermangelung frischer ungespritzer Orangenschale…

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