Lesefutter#7

Viel gelesen, viel zu wenig darüber berichtet- es wird Zeit für ein neues Lesefutter!

 

The Angel Tree (Der Engelsbaum) von Lucinda Riley

Lucinda Riley mag ich gerne, auch wenn ihre Geschichten alle eine ähnliche Grundstruktur aufweisen mit den zwei Zeit-Ebenen.

So auch hier, eine Großfamilie (so fühlt es sich zumindest an) trifft sich auf einem Landsitz in Wales. Greta erscheint als die schwierige Figur, seit einem Unfall hat sie die komplette Erinnerung an ihr früheres Leben verloren.

Aber oh Wunder, sie fängt an sich zu erinnern- für sie ist es das erste Mal seit dem Unfall vor vielen Jahren dass sie ihre gewohnte Londoner Umgebung verlassen hat.

Rückblende in die Nachkriegszeit zu Greta als junge Frau von 18, naiv, Tänzerin in einer Revue, verliebt in einen GI- den sie anlügt was der Beziehung- und ihrem Leben- dramatisch schadet. David, der Held der Geschichte   (😊) hilft ihr ein stückweit aus der Patsche und nach Wales. Dort heiratet sie Davids Onkel, einen älteren Mann, den sie in gewissen Dingen ebenfalls belügt, ein paar Jahre geht das gut, bis erneut Drama hereinbricht und sie wieder zurück nach London flieht. Dort erleidet sie beziehungsmäßig erneut Schiffbruch, auch hier spielen Lügen eine Rolle und ich dachte was für eine unangenehme Person… wobei, was weiß ich denn wie ich unter entsprechenden Umständen und gebotenen Möglichkeiten gehandelt hätte.

Ihre Tochter entwickelt sich zum Kinderstar, extremst behütet und unter Erwachsenen als Pseudo-Erwachsene aufgewachsen, bricht auch in ihr Leben das Drama ein…. und ihre psychotische Natur verursacht viel Leid im Leben aller beteiligten Personen.

Ich stelle fest, solche verrückten Menschen wühlen mich auf, ich kann das nur schlecht aushalten….

Als endlich alle Dramen aus der Vergangenheit ans Licht kamen findet die Geschichte ein freundliches – und einigermaßen hervorsehbares – Ende.

Mein Fazit- eine unterhaltende, für mich teilweise spannungsgeladene Geschichte mit ungewöhnlichen Charakteren die mich durchaus fesseln konnte, trotz teils mangelnder Sympathie für manche der Figuren.

Achtsam morden von Karsten Dusse

Selten hab ich mich beim Krimi-lesen so amüsiert, nahezu über das ganze Buch hielt sich ein Lächeln in meinem Gesicht.

Worum geht’s?

Björn Diesel, seines Zeichens „Bäh“-Anwalt in einer renommierten Kanzlei, wird von seiner Frau und Mutter seiner 3-jährigen Tochter zum Achtsamkeitstraining verdonnert. Jetzt seh ich schon die Fragezeichen- was ist ein „Bäh“-Anwalt? Nun, einer der sich erfolgreich mit sehr zwielichtigen Gestalten aus einschlägiger Szene der Bandenkriminaliät befasst, erfolgreich insofern dass er eine Menge Geld verdient dadurch dass er seine Mandanten trickreich vor Gefängnisstrafen bewahrt. Und Bäh, weil in einer so renommierten Kanzlei niemand sich an diesen Gestalten die Finger schmutzig machen will.

Wie das nun so gehen kann bei diesem Umgang… es wird gefährlich. Für ihn, sein Leben, und noch viel ärgerlicher, seine Tochter. Gut dass er beim Achtsamkeitstraining lernt, Stress wegzuatmen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, zielgerichtet die auftauchenden Probleme zu lösen.

Wir erleben eine entscheidende Woche in Björns Leben, mit raffinierten Schachzügen die er sich nur aufgrund seiner neuen achtsamen Denkweise erarbeiten kann (beständig zieht er das Buch seines Coaches zu Rate) entledigt er sich aller missliebigen Menschen und stellt fest dass Kindergartenplätze durchaus erstaunliche Meinungsänderungen bei Polizisten wie Milieu-Figuren hervorrufen können

Der Schreibstil ist flott, wir befinden uns den ganzen Roman über in Björns Gedanken, und finden alles ganz logisch was er so tut.

Ein ganz klein wenig mußte ich an Ingrid Noll und ihre Morde „aus Versehen“ denken, wenn auch der Erzähl-Stil hier mir witziger vorkam.Also- ganz klare Lese-Empfehlung, auch für Krimi-Mimosen….

Hazel Gaynor: The Girl who came home (A Novel of the Titanic)

(leider noch keine Übersetzung in’s Deutsche)

Ballysheen, Irland, April 1012.

14 Menschen aus dem kleinen Ort in Mayo County verlassen ihr Dorf, machen sich auf den Weg nach Amerika, in ein besseres Leben. Unter ihnen Maggie Murphy, elternlos, die mit schwerem Herzen ihren Verlobten zurücklassen muß. Alle 14 haben Tickets für die Jungfernfahrt der „Titanic“, 3. Klasse, versteht sich.

Manchester, England, April 2012

Harry Walsh macht sich auf, voller Stolz, zu seinem Posten als Steward für die 3. Klasse, auf der Jungfernfahrt der Titanic.

Illinois, USA, April 1982

Grace Butler feiert Geburtstag, ihre Urgroßmutter findet sie solle sich nach Jahren die sie der Pflege ihrer Mutter gewidmet hat wieder an ihr altes Leben anknüpfen. Um ihr zu helfen, bricht sie ihr jahrzehntelanges Schweigen – sie ist Maggie Doyle, geborene Murphy, eine der Überlebenden der Titanic und möchte, dass die Ur-Enkelin, angehende Journalistin, die Geschichte erzählt.

Und so werfen wir einen sehr privaten Blick auf die Ereignisse um den Untergang der Titanic, ein spannender Mix aus Briefen, Tagebuch-Einträgen und erzählter Geschichte zwischen Urgroßmutter und Urenkelin ergibt eine atmosphärisch sehr ansprechende Geschichte.

Mir gefällt besonders der Blick auf Details, die Begeisterung der einfachen irischen Mädchen vom Land, sei es über die Seife in den Kabinen, das feine Porzellan, alles mit dem Emblem der Schiffahrtsgesellschaft versehen;  vom Waschbecken in der Kabine mit jederzeit warmem Wasser ganz zu schweigen. Maggie legt heute noch, 70 Jahre später, Wert auf das gefällige Arrangement eines Tellers mit Keksen wie es ihr auf dem Schiff erstmal begegnet ist.

Die Dramatik des Untergangs, das Elend, vom Rettungsboot aus zuzusehen, die Schockstarre anschließend, verstärkt durch das stundenlange Ausharren in der Kälte des Atlantiks im Rettungsboot… Betroffenheit macht sich beim Lesen breit.

Zum Ende hin gibt es noch ein paar überraschende Wendungen was die handelnden Personen angeht, quasi zur Abrundung der Geschichte.

Tatsächlich steckt ein wahrer Kern im Buch, in Addergoole, County Mayo, Ireland existiert bis zum heutigen Tag eine Titanic Society- aus diesem Ort sind 14 Menschen an Bord der Titanic gegangen, und 11 davon gingen mit ihr unter.

 

Nähere Infos, wie immer, im Bücherstapel

6 Gedanken zu „Lesefutter#7

    1. Liebe Sabine, verrückt mit den Kommentaren – ich hab neulich auch bei dir was geschrieben was unmittelbar verschluckt wurde… ich freu mich jedenfalls sehr von dir zu lesen, und lese auch fast alles von dir, nur das Kommentieren fällt schwer. Viel Spaß beim lesen wünsch ich dir! Grüße Christine

  1. Interessant! Ich hab früher deutlich mehr gelesen, bin heutzutage leider mehr abgelenkt, auch durch unser ständiges Bombardement durch unerfreuliche Nachrichten.
    Das Buch über achtsames Morden scheint eine gute Ablenkung zu sein, zumal ein paar achtsame Todesfälle an richtiger Stelle sehr wünschenswert erscheinen…
    LG, Karin

    1. Liebe Karin, grade bei den vielen unerfreulichen Nachrichten ist Lesen lebensrettend! Das Titanic-Buch könnte dir bestimmt auch gefallen… die Achtsamkeit sowieso. Viel Spaß!

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