Lesefutter #8

Rezensionen

“Giver of Stars“  (Wie ein Leuchten in tiefer Nacht) von Jojo Moyes

Frau Moyes nimmt sich wieder einmal eines historischen Themas an, eines das bei uns in Europa weitgehend unbekannt sein dürfte. In den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts rief Mrs. Roosevelt die „Horseback Librarian“ in‘s Leben, mobile Büchereien die in entlegenen Gebieten der USA Lesestoff und Bildung in die Häuser bringen sollten.

Wir befinden uns in einem Nest in Kentucky zu eben dieser Zeit.

Margery O‘Hara, letzter Sproß einer eher unbeliebten Familie, die sich durch ihren unkonventionellen Lebensstil- ohne Mann, unabhängig, schießt und nimmt kein Wort vor den Mund- sie ist die erste die sich meldet als der Aufruf zum Start einer solchen Bücherei kommt.

Alice, Tochter einer englischen Adelsfamilie, ebenso eher unbeliebt, entflieht durch Eheschließung mit einem reichen Amerikaner dem Elternhaus- um sich im sozialen Umfeld der neuen Familie in ebendiesem Nest in Kentucky genauso unbeliebt zu machen. Sie ist die zweite im Bunde.

Weitere Mitstreiterinnen kommen im Lauf der Geschichte hinzu; Beth, mittlere Tochter mit 4 älteren und 4 jüngeren Brüdern, raucht, flucht….; Lizzy, die nach einer Polio-Erkrankung gehbehindert ist und sehr überredet werden muß überhaupt auf ein Pferd zu steigen; Sophia, die schwarze gelernte Bibliothekarin die abends für Ordnung sorgt, überwiegend heimlich denn es handelt sich ja der überwiegenden Meinung der Stadt zufolge um eine weiße Bücherei; Kathleen, Witwe, derem Mann der Besuch der reitenden Bücherei in seinen letzten Tagen noch etwas Freude gebracht hatte.

Es menschelt in dieser Kleinstadt, der Haupt-Arbeitgeber, Besitzer einer Kohlemine, beutet seine Mitarbeiter aus und benimmt sich als gehöre ihm die Stadt.

Zuweilen kam ich mir eher wie im wilden Westen vor, und fand es ein wenig erschreckend wie rückständig die Gesellschaft in dieser Gegend zu dieser Zeit war.

 

Isabel Allende: Ein unvergänglicher Sommer

Etwas überrascht hat mich gleich zu Anfang die Szenerie, mitten in einem Januar-Schneesturm in New York. Lucia, Dozentin für Mittelamerikanisches, erfriert fast in Ihrer Souterrain-Wohnung und denkt über ihren Chef und Vermieter in Personalunion nach. Dieser Vermieter, Richard, wird in eine Auffahrunfall verwickelt, wundert sich über die hysterische Reaktion von Evelyn die den Wagen fährt, er schafft es gerade so ihr seine Visitenkarte ins Auto zu werfen.

Wenige Stunden später steht Evelyn vor der Tür seines Hauses, und das Abenteuer beginnt, für Richard, Lucia und Evelyn. Die Päckchen aus der Vergangenheit die sie jeweils mit sich herumschleppen erweisen sich als mindestens so problematisch wie die Leiche im Kofferraum von Evelyns Wagen…. Richard, Ex -Alkoholiker der sich schuldig wähnt am Tod seiner Tochter und Frau, Lucia die ihre Heimat Chile verlassen mußte und ihren Bruder in politischen Wirren verlor, Evelyn die aus grausamsten Verhältnissen in Guatemala entfloh und umständehalber ohne Papiere lebt und arbeitet….

Wie es ihre Art ist greift Frau Allende ins volle Leben, trotz der teils grausamen Episoden aus den jeweiligen Leben der drei liest sich das Buch leicht und nahezu heiter, was ich auch auf die schön zu lesende Übersetzung zurückführe.  Es macht dir Spaß zu lesen wie Lucia  „….zusehen musste wie meine Taille verschwand…..“ weil sie sich nämlich weder im Sportstudio plagen noch auf genussvolles Essen verzichten mag. Womit sich viele Frauen meiner Altersklasse identifizieren können…. 😉

Nightingale-Serie von Donna Douglas.

Leichte Kost, das ist was ich momentan am Besten gebrauchen kann, und das hat mir diese 9-bändige Reihe um ein Londoner Krankenhaus auf’s Wunderbarste geliefert.
Zum Start befinden wir uns im Jahr 1934, das Nightingale-Hospital in Bethnal Green, einem armen Viertel im Osten Londons, genießt den besten Ruf als Lehr-Krankenhaus für Krankenschwestern während dieser Zeit. So ist es eine Ehre für die verschiedenen jungen Damen dort aufgenommen zu werden. Für unsere heutigen Verhältnisse unvorstellbar, wie die Ausbildung vonstatten ging- nach drei Monaten Training an Puppen und in leeren Räumen geht es auf die Stationen, die Lehrschwestern arbeiten in Schichten von 10-14 Stunden am Stück, haben nur gelegentlich alle paar Wochen mal einen halben oder einen ganzen Tag frei. Anfangs wird wochenlang nur geputzt, Bettflaschen geleert, Betten gemacht und wieder geputzt. Tag für Tag für Tag für Tag für Tag.
Die strenge Hierarchie erscheint uns heute übertrieben- ich habe mich manchmal gefragt ob es meiner Mutter gute 10 Jahre später in ihrer Ausbildung wohl ähnlich erging? Zumal die Lernschwestern ja Tag und Nacht unter der Fuchtel standen, der Pflicht im Wohnheim zu wohnen konnte keine entkommen.
Im Lauf der verschiedenen Bände lernen wir die verschiedensten Frauen kennen, mir gefällt recht gut wie die Autorin immer wieder frische Personen einführt, mit ihren jeweiligen unterschiedlichem Hintergrund- von Gräfinnen bis zu Frauen aus dem Waisenhaus- die alle irgendwelche Päckchen zu tragen haben.
Dramatisch die Kriegsjahre, während derer ein Teil des Krankenhausbetriebs ausgelagert wurde nach Kent, und das Mutterhaus in London schwere Bombenschäden davontrug.
Und die Schwierigkeiten und Anfeindungen denen die Schwestern ausgesetzt waren als deutsche Kriegsgefangene in das Krankenhaus zur Behandlung kamen- alles wird recht glaubhaft vor dem sozialen Hintergrund erzählt.
Natürlich sind die Hauptpersonen alle weiblichen Geschlechts, wie zu dieser Zeit üblich träumen viele von ihrem Prinzen- den manche auch finden, manch einer entpuppt sich dann doch als etwas ganz Anderes. Die Liebesgeschichten spielen sich selten in den Vordergrund…. eher so dass sie zum Verständnis der damaligen Gesellschaft beitragen in der Frauen noch immer ziemlich rechtlos und fremdbestimmt waren.
Wer sich gerne unterhalten und mitreißen läßt, wer Interesse an jüngerer Geschichte auch im Zusammenhang mit Medizin hat, wird an dieser Reihe Freude haben. Frau Douglas schreibt spannend, kann auch Cliffhanger ganz gut, Unterhaltungsliteratur im Besten Sinne, so habe ich die Bücher empfunden und eins nach dem anderen weggelesen. In English…. 😉 wie die deutsche Übersetzung ist kann ich nicht sagen.
Mein Bücherstapel hat noch mehr Tipps auf Lager

 

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