Lesefutter # 9

Rezensionen

Bücher waren treue Begleiter in diesem vergangenen anstrengenden letzten Jahr, mit ein paar Lese-Highlights der letzten Wochen möchte ich euch nun in diesem nagelneuen taufrischen 2021 begrüßen- und mit einem Walzer, was irgendwie doch auch dazugehört.

Sind Mr.B. und ich gemeinsam unterwegs (so dies möglich ist) kehren wir gerne in Buchläden ein (wofern diese geöffnet haben) , so wächst unsere Bibliothek auch auf Reisen. Dieses Buch ist mir in Sonthofen in’s Auge gefallen, irgendwo meinte ich gelesen zu haben der Autor sei lesenswert.

Und wie! kann ich nur bestätigen…

Guillaume Musso: Die junge Frau und die Nacht

Guillaume Musso ist Franzose, seine bisherigen Bücher spielten überwiegend in den USA wo er lebt- aufgewachsen allerdings ist er in Südfrankreich und diesem seinem neuesten Roman gibt er dort eine Bühne, genauer in Antibes.
Wir erleben einen Tag im Leben des Thomas Degalais, eine Art Klassentreffen an seiner alten Schule, zu dem er unangekündigt spontan erscheint. Über den Inhalt möchte ich weiter garnichts verraten…. nur soviel dass wir neben dem fulminanten Verlauf dieses einen Tages einige Rückblenden erleben, Ereignisse von vor ca 25 Jahren, als sich während eines Schneesturms zu Weihnachten mindestens eine Tragödie ereignete. Eine die einen langen Schatten wirft und mehrere Menschen das Leben kostet.

Das Buch ist nahezu durchgängig aus der Perspektive des Ich-Erzählers geschrieben, wir wissen nur was Thomas auch weiß, sieht und erkennt- oder eben auch verkennt. Musso gelingt es meisterhaft Spannung aufzubauen, hier einen Hinweis, da einen Nebensatz, die Ahnungen befördern- oder in die Irre führen.

Anfangs tat ich mir etwas schwer, der Stil der Übersetzung mit inflationärem Gebrauch von Kommata ließ mich stolpern, und die etwas verhaltene eher unaufgeregte Sprache hat es erst nach und nach vermocht mich in die Geschichte regelrecht hineinzuziehen. So hab ich für die ersten 100 Seiten etwa eine Woche gebraucht, für die restlichen 300 dann nur noch zwei Tage…..

Gut geeignet nicht nur für Krimimimosen- mit Sicherheit werde ich wieder zugreifen, kommt mir ein Buch von Herrn Musso unter die Augen.

Ken Follett: The Evening and the Morning (Der Morgen einer neuen Zeit)

Als bekennde Follett-Fanfrau stehtvöllig außer Frage – jedes neue Buch muß schnellstmöglich gelesen werden, so auch dieses Werk. Das Buch steht in der historischen Reihe um Kingsbridge, zeitlich einige Hundert Jahre vor den Säulen der Erde. Wir befinden uns noch vor dem Jahr 1000 im Süden des von Wikinger geplagten Englands, und so beginnt das Buch auch- mit einem Wikinger-Überfall entlang des Flusses, die Stadt wird weitgehend zerstört und Edgar, der Sohn eines Bootsbauern, verliert alles- seine Geliebte, seinen Vater, dessen Werkstatt mit allen wertvollen Holzvorräten. Die Familie macht sich auf, ein Stücl stromaufwärts, erhält dort ein Stück Land zur Bewirtschaftung und Edgar eine Stelle als Fährmann- noch gibt es nämlich keine Brücke.

Es ist eine Zeit über die sehr wenig historisches Material bekannt ist, das „finstere Mittelalter“- Follett läßt es sehr lebendig werden und mir haben seine Schilderungen gut gefallen. Die Häuser, Holzhäuser fast ausschließlich, die wenigen Steinbauten kaum mehr stabil. Die gesellschaftlichen Verhältnisse- mit Sklaven, die auf Raubzügen nach Wales gefangen wurden, der Klerus, der zwar viel Macht hatte, dennoch gab es Ehen mit mehr als zwei Beteiligten. Ein Mann konnte auch seine Frau abschieben um erneut zu heiraten, falls aus welchen Gründen auch immer keine zwei Frauen erwünscht waren. Die Kirche hieß das nicht gut, konnte es aber auch nicht verhindern. Die Staatsmacht, der König, war meist weit….

Wie gewohnt gibt es Heldinnen und Helden, Schurkinnen und Bösewichte, die Fronten sind von Anfang an klar gesteckt. Im Verlauf des Buches überwiegen dann die aus den beiden anderen Kingsbridge-Bänden gewohnten Intrigen, so verlor die Geschichte ein wenig an Spannung, auch die Namensgebung der handelnden Männer (Wilfwulf, Wigulf, und weitere Wi- Männer) hat mich weniger begeistert, ich wußte dann gelegentlich nicht auf wessen Seite dieser Wi- Mann steht.

Mein Fazit- ein solide gemachter historischer Follett der das finstere Mittelalter lebendig werden läßt.

Robert Harris: Die Cicero-Trilogie (Imperium; Titan; Dictator)

Robert Harris entführt uns nach Rom, wenige Jahrzehnte vor Christi Geburt. Für alte Lateiner gibt es viele Begegnungen mit bekannten Figuren, allen voran natürlich Gaius Julius Caesar.

Die Romane sind als Erzählung aus der Sicht von Tiro geschrieben, einem Sklaven und Schreiber Ciceros, er ist die Person die Cicero sein Leben lang am nächsten stand und wahrscheinlich sein wahrhaftigster Freund war.

Es geht zu im alten Rom zu dieser Zeit, die römische Republik ist im Wanken, Bestechung und Mord zur Durchsetzung politischer Macht sind mehr und mehr an der Tagesordnung. Es wird geheiratet und geschieden, Familien-Allianzen entstehen und werden aufgelöst, und mittendrin Cicero, der junge Anwalt. Wir erfahren wo er seine Redekunst erlernt und verfeinert hat, bevor er sich in den Löwenkäfig der römischen Politik wagte. Wir lernen ihn kennen als einen leidenschaftlichen Anhänger der Republik, die mehr und mehr zerbricht, kaputt geht unter dem Machthunger erst Caesars, bis dieser selbst einem Attentat zum Opfer fällt und im ende eine Tyrannei dreier Männer sich auch Ciceros entledigt, dieses ewigen Verteidigers der Republik. Wir erfahren aber auch jedemenge Details des römischen Alltags und der Gepflogenheiten dieser Zeit- von gruseligen Alleen gekreuzigter Kriegsgefangener entlang der Straßen die siegreiche Heerführer nach Rom nahmen, bis hin zu großen Fressgelagen im Liegen, unterbrochen von Gängen nach draußen um sich des Mageninhalts zu entledigen.

Harris gibt seinem Tiro viel Empathie mit auf den Weg, und so liest sich das Werk sehr fesselnd und ist durchaus auch für Historien-Liebhaber die mit Latein weniger am Hut hatten spannende Lektüre.

Näheres wie immer im Bücherstapel

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