Lesefutter #10

Momentan gibt es sehr viel Lesezeit, einer Fuß-Verletzung sei dank. Nicht.

Und so habe ich eine neue Schriftstellerin entdeckt:

Claire Winter- Die geliehene Schuld

Frau Winter gehört zu denjenigen der schreibenden Zunft die sich mit dem 3.Reich, 2.Weltkrieg und der Zeit unmittelbar danach beschäftigen, und sie schreibt ungeheuer packend.

Das vorliegende Buch spielt in den Jahren 1948/49, hauptsächlich in Berlin und Bonn wo die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland ausgearbeitet und mit den Besatzungsmächten verhandelt wird. Eine junge Frau erhält eine Sekretärinnenstelle im Stab Konrad Adenauers. Ihr Vater ist- anscheinend-im Krieg geblieben, so wurde es ihr als Nesthäkchen der Familie immer erzählt. Im Zuge der Geschichte die sich sehr rasant entwickelt stellt sich dies als Lüge heraus, es gibt Verwicklungen durch eine hartnäckige Journalistin die die Arbeit eines ermordeten Kollegen aufnimmt. Mehr Morde, Geheimdienste, Wehrmachts-Seilschaften, Intrigen- ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Und wie bei vielen Geschichten die ich in letzter Zeit in der Hand hatte sind die Nachbemerkungen mindestens so interessant und spannend zu lesen- hier haben sie mich einigermaßen fassungslos zurückgelassen. Unbedingte Lese-Empfehlung!

Kurzrezi zu: „Seven Sisters“ von Lucinda Riley (Die sieben Schwestern)

Vorbemerkung: Life is too short to read depressing books 😉

Lucinda Riley hat sich ein ehrgeiziges Projekt vorgenommen, eine Geschichte in sieben Teilen, angelehnt an das Sternbild der Pleiaden, die sieben mythische Schwestern verkörpern. Start der Geschichte ist der Tod des Adoptiv-Vaters der sieben, wir lernen ein wenig das schwer reiche, privilegierte und geschützte Umfeld der sieben Frauen kennen in dem sie aufgewachsen sind. Auf einer sehr speziellen Trauerfeier erhält jeder der sieben einen Brief des verstorbenen Vaters sowie ein Zitat und die Koordinaten des Ortes ihrer jeweiligen Herkunft. Maia, die älteste der Sieben, ist eine zurückhaltende Frau von anerkannt großer Schönheit, die einzige die mit Erwachsenwerden die Insel ihrer Kindheit nicht verlassen hat. Ein unerwünschter Anruf veranlasst sie, sich recht überstürzt nach Rio de Janeiro zu begeben, – und damit auch auf die Suche nach ihrer Herkunftsfamilie. Vor dem Hintergrund der Planung und Errichtung des „Cristo Redentor“ entfaltet sich die Geschichte von Maias Urgroßeltern, tragisch-schön und m.E. geschichtlich gut recherchiert- zumindest ich habe Einiges Neue über Brasilien, seine Geschichte und die Geschichte der berühmten Statue erfahren. Zudem ist Maia ein Charakter der mir äußerst sympathisch ist, mit ihrer zurückhaltenden Art, der Sprachbegabung und der Attraktivität die ihr mehr Last als Freude erscheint. Frau Riley schreibt lebendig, mit lebendigen Dialogen, ihre Charakterzeichnungen gefallen mir gut- und die Geschichte ist, tragisch wie sie in Teilen daher kommt, dennoch so dass sie die Psyche eher aufbaut. Kurzes Fazit- verwickelte Liebesgeschichten auf zwei Zeit-Ebenen vor gut recherchiertem geschichtlichem wie regionalem Hintergrund, für Freund-Innen des Versinkens in Schmöker-Büchern ein überaus passendes Buch.

Kurzrezi zu: Anne Perry- Death in Focus (die deutsche Ausgabe „Das Spiel des Verräters“ erscheint im März)

Anne Perry ist die Spezialistin für Krimiserien mit historischem Hintergrund. So langsam arbeitet sie sich vor, nach viktorianischem England, England oder besser London vor der Jahrhundertwende, kommt nun die Zeit zwischen den Weltkriegen dran- und die Hauptheldin ist eine Frau. Elena Standish, jüngste Tochter eines Botschafters und Enkelin des ehemaligen Kopfes des englischen Militär- Geheimdienstes, lernt in Süditalien einen attrativen Mann kennen der sie überredet ihn für ein paar Tage nach Paris zu begleiten. Im Zug nach Mailand wird dieser ermordet aufgefunden und kann ihr gerade noch mit letztem Atem seinen Auftrag zuhauchen- ein Attentat auf einen Nazi-Agitator in Berlin zu verhindern, das dem englischen Geheimdienst in die Schuhe geschoben werden soll. So wird Elena Hals über Kopf in ein politisches Abenteuer gestürzt, gelangt in die Hände der Gestapo und damit in Lebensgefahr, weiß kaum wem sie irgendwie vertrauen kann…. Parallel erleben wir den Großvater, wir erinnern uns, ehemaliger Kopf des M16, der zwar in die faulen Hintergründe des Zugmordes eingeweiht ist, aber keine Ahnung hat wie oder daß überhaupt seine Enkelin involviert ist. Frau Perry schreibt sehr spannend, man ahnt das Unheil auf jeder Seite…. wobei auch sehr viel Hintergündiges einfließt, Gedanken der „alten“ Geheimdienstler, die Fraktionen in England für oder gegen Nationalismus, die Gegner die als Kriegstreiber verunglimpft werden…. Ich hab das Buch mehr oder minder in einem Rutsch durchgelesen…. spannend, starke Frauenfiguren, die politischen Verhältnisse der 1930er-Jahre aus einem etwas anderen Blickwinkel betrachtet…. empfehlenswert.

(Bücherstapel wird später aktualisiert…)

4 Gedanken zu „Lesefutter #10

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