Lesefutter No 11- Eine Familie in Deutschland

Rezension

Peter Prange- Eine Familie in Deutschland, Teil I und II

Puh- von der Lektüre muß ich mich ein wenig erholen. Zwei ordentliche Wälzer , deren Inhaltsschwere durchaus mit dem Buchgewicht standhält. Glücklicherweise fällt das Gewicht bei einem e-book so gut wie weg….

Wir begleiten eine Familie aus Fallersleben, der Wiege des Deutschlandliedes. Und – was mir neu war- heute ein Stadtteil von Wolfsburg, der VW-Stadt. Oder KdF-Stadt. Oder Autostadt.

Die Familie stellt sich vor anlässlich des Weihnachtsfests 1932:

Der Vater, Zuckerfabrikant und ein reicher Mann.

Die Mutter, ehemalige Musikerin.

Edda, die älteste Tochter, homosexuell.

Charlotte, wahlweise Charly oder Lotti genannt, angehende Kinderärztin

Deren Verlobter, Benjamin Jungblut, Architekt und Jude.

Georg, Ingenieur und Frauenheld, mit Benzin im Blut

Horst, überzeugter Nationalsozialist

Ilse, seine Frau

Willy, der Nachzügler, behaftet mit Trisomie 21.

Wie sich anhand dieser Aufzählung unschwer erkennen läßt birgt die Familienkonstellation jedemenge Konfliktstoff, die Konflikte ziehen sich durch das ganze Buch mit teilweise unerträglich tragischen Konsquenzen.

Herr Prange schreibt in kurzen Kapiteln und ohne erkennbare Hauptperson- in jedem Kapitel steht eine andere Person im Mittelpunkt. Der eher nüchterne Erzählstil hat mich im ersten Teil gelegentlich etwas verlockt gedanklich abzuschweifen, im zweiten Teil mit Beginn des Krieges war es damit vorbei. Zudem trägt diese nüchterne Darstellung dazu bei, die ganze Ungeheurlichkeit dieser Zeit greifbar zu machen, teilweise mehr als emotional aufgeladen dargestellte Einzelschicksale.

Von der Handlung, den vielen Ereignissen rund um die Konstruktion des „Käfers“ und des Kübelwagens, des Aufbaus der Autostadt während der Herrschaft des Nationalsozialismus ganz abgesehen (die mir allesamt bislang unbekannt waren) möchte ich nix verraten. Was mir vor Allem im Gedächtnis bleiben wird ist, wie es Herrn Prange gelingt die Ausweglosigkeit sichtbar zu machen, die Menschen hatten vielfach keine Möglichkeit sich dem System zu entziehen. Oder wie es ein Zitat aus dem Buch wiedergibt:

Wenn in normalen Zeiten eins plus eins zwei gibt, so kann in diesen Zeiten das Ergebnis ebenso 3, 7 oder minus 5 sein.

Regeln sind außer Kraft gesetzt, die Willkür ist allgegenwärtig, entwickelt hat sich das für die meisten Menschen zu schnell um zu begreifen.

Also, eine durchaus lohnende Lektüre die nachdenklich macht.

2 Gedanken zu „Lesefutter No 11- Eine Familie in Deutschland

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