Lesefutter # 12

Rezensionen

Manches mal überrascht mich ein Buch beim zweiten Lesen- vor Allem wenn wie hier Jahrzehnte dazwischen liegen. Neulich zog ich

Sakrileg (The Da Vinci Code) von Dan Brown

aus dem Regal. Und hatte nur noch eine vage Ahnung vom Inhalt, „Opus Dei“ spielt eine Rolle, Verschwörungen in und um die katholische Kirche.

Dass es sich um ein spannendes, packendes Buch handelt, wußte ich ebenfalls noch. Wie viel Kunst-Sachverstand allerdings drinsteckt, und was für ein Tritt gegen die männliche Allmacht der katholischen Kirche dieses Buch darstellt… das hat mich dann doch überrascht.

Worum geht es? Paris, vier Männer werden an einem Abend in Paris ermordet. Alle vier sind Hüter eines Geheimnisses, Köpfe einer geheimen Organisation die über inzwischen zwei Jahrtausende die Nachkommen von Jesus und Maria Magdalena schützen. Über die Jahrtausende haben viele berühmte Menschen dieser Organisation angehört, der wichtigste für dieses Buch ist Leonardo da Vinci in dessen Gemälden sich viele versteckte Hinweise auf die wahren Nachkommen Christi verstecken. Die Enkelin eines der Opfer, Spezialistin für Codes in der französischen Polizei, und ein Dozent der sich mit Codes in Kunstwerken und Altertümern beschäftigt sind auf der Jagd und gleichzeitig Gejagte, es geht um nichts weniger als den heiligen Gral.

Sicherlich ist das Meiste der Fantasie des Autors geschuldet, dennoch so gut geschrieben dass frau sich verleitet sieht selbst zu recherchieren…. und auch wenn der Schluß für meinen Geschmack den einen oder anderen losen Faden läßt- spannend und auch nach Jahren ist das Buch seine Lese-Zeit wert.

Alle, außer mir von Francesca Melandri

Vorweg- ein Buch das zweispältige Empfindungen zurückläßt. Ich bin ja bekannt dafür Übersetzungen sehr kritisch zu betrachten- hier spreche ich der Übersetzerin (Esther Hansen) ein uneingeschränktes Lob aus, die Sprache ist teils fast poetisch und liest sich sehr schön. Was zum teilweise brutalen Inhalt in krassem Gegensatz steht….

Zwei bewaffnete Aufseher kontrollierten etwas entfernt die rostigen Waggons, in denen Menschen starben. Sie redeten miteinander in ihrer Sprache aus Umlauten und Konsonanten, die so offensiv erscheint, wenn Befehle gebellt wurden, doch im leisen Zwiegespräch zwischen Kameraden im dämpfenden Wattenebel melancholisch klang und uralt wie ein dunkler Wald.

Worum geht‘s? Wir sind in Rom, erzählt wird aus der Perspektive von Ilaria, Tochter des Attilio Profeti, der allmählich der Demenz anheimfällt. Mit der plötzlichen Ankunft eines Schwarzen vor ihrer Türe, Flüchtling aus Äthiopien, der behauptet ihr Neffe zu sein, beginnt die Expedition in die sehr brutale Vergangenheit des Attilio Profeti. Er war als „Schwarzhemd“ in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts im Abessinien-Krieg, der als der letzte Kolonialkrieg in die Geschichte einging. Wissenschaftliche Studien zur Untermauerung der Rassegesetze, Massaker, dramatische Einzelschicksale, alles erzählt im Zusammenhang mit Attilio, der als Glücksbringer galt, mit seinem guten Aussehen und seiner Überzeugung, im Recht zu sein und dass ihm alles irgendwie gelingt. Er lebt dort mit einer Schwarzen zusammen, die er verläßt, als es politisch zu gefährlich wird. Zurück in Italien, nach den Kriegen, heiratet er, bekommt Kinder, und führt jahrelang eine geheime zweite familiäre Beziehung aus der noch ein weiteres hervorgeht. Anstrengend wird die Geschichte ein wenig durch die unvermittelten Zeitsprünge, oft ausgelöst durch einen Gedankengang, das Betrachten eines Bildes, oder Ähnlichem. Und, ganz ehrlich- wäre da nicht diese wirklich bemerkenswerte Erzählsprache, hätte ich das Buch wohl aus der Hand gelegt. So bin ich um einiges an Wissen reicher aus einem Kapitel italienisch-europäischer und afrikanischer Geschichte von dem ich bisher nichts wusste.

„The Missing Sister“ (Die verschwundene Schwester) von Lucinda Riley, der 7te Band der Schwestern- Reihe.

Um‘s ganz kurz zu sagen- wow! Gelesen hab ich alle Bände, mit wechselnder Begeisterung oder Sympathie für die jeweilige Schwester. So gepackt wie dieser 7te Band hat mich bisher kein Buch dieser Reihe. Die Schwestern, kurz vor ihrer geplanten Gedenk-Reise zu Ehren ihres verstorbenen Vaters, erhalten vom langjährigen Anwalt der Familie einen Hinweis auf die 7te, die „missing“ Schwester. Verteilt über den Erdball, versuchen sie die betreffende Frau zu kontaktieren- die sich allerdings weitgehend erfolgreich entzieht. Was folgt ist ein hochspannender Ausflug in die Geschichte Irlands, die Unabhängigkeitskämpfe in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts, blutig wie sie waren- und die weitgehend unbekannte Rolle die Frauen in diesem Kampf spielten. Das Leben der bitter-armen Landbevölkerung, die rigide Auslegung der katholischen Lehre, wie sie noch weit in die 60er Jahre Bestand hatte, faszinierend dies zu lesen. Freundschaften wandelten sich zu Feindschaften, Familien wurden aufgrund unterschiedlicher Anschauung zerrissen, und dies wirkte noch Generationen nach. Sehr faszinierend zu lesen und packend geschrieben. Die Schwestern- Geschichte als solche trat für mich ziemlich in den Hintergrund. Also, Hut ab vor Frau Riley, für dieses Buch- ich war recht froh dass mein Lesefluß nicht durch Arbeit unterbrochen wurde, den Feiertagen (um Pfingsten herum) sei Dank. Und habe das Gefühl ich möchte grade nochmal von vorne anfangen…. 😍😍

6 Gedanken zu „Lesefutter # 12

  1. Eine traurige Nachricht für ihre Bewunderer: Frau Lucinda Riley ist am 11.Juli 2021 an Krebs gestorben.
    Anna Antonia, uch liebe deine Rezensionen. Du hast mich schon oft zu Büchern gebracht, die ich ohne deinen Anstupf NIE gelesen hätte. Mit liebem Gruß R.

    1. Oh, letzteres freue ich mich sehr zu lesen und es motiviert weitere Bücher zu besprechen. Und ja, der Tod von Lucinda Riley ist tragisch…. was die Schwestern- Geschichte und den letzten geplanten 8. Band angeht, der wird von ihrem Sohn fertiggestellt und soll im Frühjahr 2023 erscheinen, so dass wir zumindest das Ende dieser Story erfahren werden.

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