Lesefutter # 13

Rezensionen

Gil Ribeiro, Spur der Schatten- Lost in Fuseta

Dies ist der zweite Fall um Kommissar Leander Lost und seine portugiesischen Kolleginnen und Kollegen, ganz im Süden Portugals an der Küste der Algarve. Inzwischen kennen wir Lost schon ein wenig, diesen Kommissar aus Deutschland der über ein Austauschprogramm von seiner Hamburger Dienststelle „weggelobt“ wurde. Stets in schwarzem Anzug, weißen Hemd, schwarzer Krawatte- Zugeständnis an die Gegend in der er sich aufhält sind die Espadrilles an seinen Füßen. Und er ist Asperger- Autist, mit der Inselbegabung des fotografischen Gedächtnisses. Es dauert eine Weile bis sich Graciana Rosado und Carlos Esteves, sein Team, mit seinen Eigenheiten arrangiert haben und diese für die Ermittlungsarbeit sogar als Gewinn betrachten. Ein Toter in einem Boot, eine etwas zwielichtige Gestalt; es folgen eine vermisste, später ermordet aufgefundene Polizei-Kollegin, ein Skandal um Wasserwirtschaft, dubiose Machenschaften in ehemaligen Kolonien Portugals- all dies gilt es aufzuklären, schlimmere Verbrechen zu verhindern und nebenbei überlegt sich Lost noch ein Kind in die Welt zu setzen. All dies schildert der Autor (ein Deutscher der ganz in der Nähe von mir zuhause ist) mit einem wunderbaren Blick auf Land und Leute- obwohl ich noch nie in Portugal war kriege ich Sehnsucht dorthin. Genau das Richtige für diese seltsamen Zeiten in denen wir uns doch alle gerne ein wenig in die Ferne träumen- die besonderen Charaktere machen das Ganze um so lesenswerter.

Holger Karsten Schmidt: Isenhart

Aufmerksam wurde ich auf diesen Autor durch die „Lost in Fuseta“-Reihe, und lese seither alles von ihm was mir unter die Finger kommt, zudem ist er auch für Fernseh-Krimi-Fans eine sichere Bank, als Drehbuchautor zum Beispiel für „Harter Brocken- der Harz-Krimi“.

Nun aber zum Buch- Isenhart, wie der Titel vermuten läßt spielt der Roman im Mittelalter, genauer im ausgehenden 12. Jahrhundert, in der Gegend um den Asperg bei Stuttgart. Isenhart ist der besondere Junge, der, bei der Geburt bereits in’s Reich der Toten gelangt, wiedererweckt wurde durch den Atem eines Fremden- „er hat ihm einen Teil seiner Seele eingehaucht“- so wird es später heißen. Als Waise hat er das Glück einen Gönner zu finden der ihn auf einer Burg aufwachsen und mit einem gleichaltrigen Ritter-Sohn erziehen läßt- die beiden werden trotz ungleicher Charaktere und Interessen nahezu unzertrennliche Freunde. Als die beiden junge Männer sind, stoßen sie auf eine Mord-Serie, den Opfern wird das Herz herausgeschnitten. Ein Opfer ist die große Liebe Isenharts, und so wird die Suche nach Mörder und Motiv wichtig. Zu viel will ich nun nicht verraten- das Buch ist packend geschrieben, man lebt mit in diesen gefährlichen Zeiten in denen eine Ohrfeige genügt, eine Burg zu überfallen und die Bewohner niederzumetzeln, in denen eine Reise ein lebensgefährliches Abenteuer darstellt, in denen Forscher nach dem Sitz der Seele suchen und überwiegend im Verborgenen ihrem Forschergeist nachgehen, zu gefährlich sind die neuen An- und Einsichten und kosten manchen Menschen das Leben. Zudem macht es Freude zu lesen wie die Gegend entlang des Neckars bis nach Mannheim (dem kleinen unbedeutenden Dorf) damals bewohnt war… Für mich echtes Lese-Vergnügen, gut geschrieben und mit Einblicken in eine Vergangenheit über die wir nicht sehr viel wissen.

Alex Michaelides: The Silent Patient (Die stumme Patientin)

Wieder einmal bin ich einer Empfehlung eines Algorhythmus gefolgt- die reader-software hat mir dieses Buch vorgeschlagen und ich war begeistert.

Wir haben es mit zwei Hauptpersonen zu tun: Alicia hat ihren Mann erschossen, spricht seitdem nicht mehr und sitzt in einer psychiatrischen Einrichtung für Gefangene. Theo ist Psychiater, fasziniert von Alicia (die eine bedeutende Kunstmalerin war bis zum Mord) und er ergreift die Chance auf eine Stelle in eben dieser Einrichtung, speziell mit dem Ziel Alicia zum Reden zu bringen. Zwei Handlungsstränge aus der Vergangenheit werden nach und nach aufgedeckt- Alicias Leben, ihre traumatische Kindheit, ihre Ehe, genauso wie Theos ebenfalls traumatische Kindheit, und seine Ehe. Wie diese beiden sich am Ende zusammenfügen- ein Knall-Effekt der die Leserschaft einigermaßen fassungslos zurückläßt. Und für mich immer wieder verblüffend, wie sich Menschen so etwas ausdenken und dann noch so wunderbar verpacken- die Sprache, der dramaturgische Aufbau- super.

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