Lesefutter # 14

Rezensionen

Mein Eindruck zu: Eine Frage der Würde von Gianrico Carofiglio

Das Buch fiel mir beim letzten Besuch der Buchhandlung auf, irgendwie zwinkerte es mir zu: nimm mich bitte mit. Nachdem ich den Hinweis auf die Übersetzerin gesehen hatte- Viktoria von Schirach- war ich überredet und das Buch durfte mit nachhause. Eine lohnende Anschaffung, wie ich meine. Worum geht es ? Zunächst ein paar Worte zum Autor, Italiener, Staatsanwalt, ungefähr in meinem Alter. Sein Held, Guido Guerrieri, seines Zeichens Anwalt, ist ein ganz besonderer Typ- fast 50, boxt, führt Selbstgespräche, zuweilen auch mit dem Boxsack den er in seiner Wohnung hängen hat. In diesem Fall wird er von einem Richter zu Hilfe geholt, dem Vorteilsnahme im Amt vorgeworfen wird. Von der Unschuld seines Mandanten überzeugt, beauftragt er eine Privatdetektivin, Annapaola (klingt gut…oder?) herauszufinden was da los war und wie der Vorwurf zustande kam. Und findet mehr heraus als gedacht….Eine Prise Action, eine Portion feinen Humors, süditalienische Lebensart trotz schlechten Wetters….

Unter den vier Bars in der Nähe des Gerichtsgebäudes wählten wir die aus, in der der Kaffee nach einem abgelaufenen Medikament schmeckte. Sie schaffen es, ihn zugleich wässrig und verbrannt zu machen, was nicht leicht ist. Der Barista wiegt allerdings hundertzwanzig Kilo und stemmt ebenso schwere Gewichte, deshalb beschwert sich keiner.“

und eine ungewöhnliche Handlung die zu einem echten Dilemma führt- so gefällt mir Krimi.

Carmen Korn: Töchter einer neuen Zeit/ Zeiten des Aufbruchs/ Zeitenwende

In nahezu jeder Buchhandlung liegt diese Trilogie an prominenter Stelle aus- als die e-Books dann auch noch zum Sonderpreis erhältlich waren habe ich zugegriffen. Und bin etwas zwiespältig, bis zur Hälfte des ersten Bandes dachte ich immer wieder an‘s Aufhören. Was stört? Vor allem die abrupten Szenenwechsel, übergangslos befinden wir uns mit anderen Personen in einem anderen Setting. Außerdem gelang es der Autorin kaum, in mir Empathien für die Protagonistinnen zu wecken. Dennoch hab ich zu Ende gelesen, weil einfach die Geschichte interessant ist. Worum geht‘s? Vier Frauen, alle um die Jahrhundertwende geboren, werden auf ihrem Lebensweg durch das vergangene Jahrhundert begleitet. Henny und Käthe, zwei Freundinnen seit Kindheit an, beide werden Hebamme und sind immer berufstätig- was an sich schon bemerkenswert ist. Ida, Tochter aus reichem Hause, wird an einen reichen Herrn verheiratet um ihren Vater vor wirtschaftlichem Schaden zu bewahren. Allerdings liebt sie einen Chinesen….. Lina, die vierte im Bunde, kommt als Hennys Schwägerin während derer ersten Ehe zum Quartett hinzu.

Wir begleiten die Frauen durch die Zeit des Nationalsozialismus und zweiten Weltkriegs, sehr viele Aspekte werden gestreift- Juden, Kriegsgegner, Homosexuelle. Die Jahre des Wiederaufbaus sind ein spannendes Stück Zeit, erwähnte ich schon dass die Geschichte in Hamburg angesiedelt ist? Rundfunk und Musik spielen eine große Rolle und die sich stetig ändernden Verhältnisse in der Bundesrepublik Deutschland werden lebendig, für mich, Jahrgang 1960, war es ein Stück Lebensgefühl- Beatles, Einkaufs- und Essgewohnheiten und einiges mehr das mich wissend lächeln ließ. Bißchen viel war mir dann der Bezug zu den Terror-Jahren der RAF, wobei die Erinnerung an die Fahndungsplakate überall schon auch beklemmend war- der Gedanke wie normal die zum Alltag gehörten in der 70ern.

Gut gefallen hat mir jeweils das anhängende Glossar, und hier vor Allem die aufgeführten Musikstücke- so etwas gewinnt immer Pluspunkte bei mir.

Mein Fazit- lesenswert für die, die sich ein wenig Lebensgefühl des vorigen Jahrhunderts zurückholen möchten. Wer allerdings blumige Erzählungen und packende Charaktere liebt, wird vielleicht etwas enttäuscht sein.

Queen’s Gambit von Walter Tevis (Das Damengambit)

Dies Buch fand ebenfalls über ein Sonderangebot als e-book zu mir, im Hinterkopf schlummerte die Info dass die Verfilmung ziemlich eingeschlagen hatte. Und so begann ich zu lesen- um das Buch kaum mehr aus der Hand legen zu können.

Worum geht‘s? Die achtjährige Beth Harmon kommt nach dem Tod ihrer Mutter in ein Waisenhaus, was eine ziemlich trübselige Angelegenheit ist in den späten 50er /frühen 60er Jahren in den USA. Die Kinder kriegen jeweils morgens und abends eine Pille, morgens wohl Vitamine und abends Tranquilizer (die grüne Pille), damit sie nachts Ruhe geben.

Eine der Beth zugeteilten Aufgaben führt sie regelmäßig in‘s Untergeschoß, wo sie dem Hausmeister beim Schachspielen gegen sich selber zusieht. Sehr fasziniert von dem Spiel findet sie den Mut, ihn zu fragen ob er ihr das Spielen beibringt- woraufhin es nicht lange dauert bis sie ihn schlägt.

Es folgen Rückschläge und Erfolge – Beth hat die Fähigkeit ganze Schachpartien im Kopf zu spielen. Allerdings stellt sie irgendwann fest, nach ihrer Adoption, und den ersten auch finanziell lukrativen Turniersiegen, dass Intuition nicht die einzige Waffe ist, Training, Studium und Analyse gehören auch dazu.

Beth selber erscheint nicht gerade als sympathische Person, mit ihren Flirts mit der früh angelegten Sucht – Alkohol und eben grüne Pillen- und mit ihrer Distanz zu den Personen in ihrem Umfeld. Alles muß sich ihrem Traumziel, einen russischen Großmeister in Rußland zu schlagen, unterordnen. Dennoch liest sich das Buch spannend wie ein Spionage- Krimi. Auch für mich, die von Schach keine Ahnung hat, trotz eines Vaters der recht erfolgreicher Turnierspieler war.

11 Gedanken zu „Lesefutter # 14

  1. Vom Damen-Gambit kenne ich die Streaming-Serie und sie war echt sehr gut. Ich glaube, nun brauch ich auch noch das Buch. Danke für deine Anregungen und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

    1. Die Krimis sind ein richtiges Lese-Vergnügen, kann ich nur empfehlen. Habe gerade „In ihre dunkelsten Stunde“ ausgelesen- die wunderbare Sprache, der feine Witz, und im Gericht findet in diesem BUch fast nichts statt.

  2. „The Queen’s Gambit“ habe ich als Serie gesehen, ich fand sie fabelhaft. Leider ertappe ich mich viel zu oft dabei, Nachrichten auf meinem Handy zu lesen, anstatt nach einem Buch zu greifen. Ein totsicheres Rezept zum Trübseligwerden! Da hilft dann eigentlich nur, etwas Nettes zu kochen oder zu backen :(

    1. Dabei kann man sich in Bücher doch so richtig versenken und die Welt um sich herum vergessen…. wobei Backen auch gut hilft und meist erfreuliche Ergebnisse zeigt.

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