Lesefutter # 15

Rezensionen

Inge Löhnig: Gedenke Mein

Der erste eigene Fall für Kommissarin Gina Angelucci hat es in sich. Nachdem sie einen “Cold Case“ aufgeklärt hat der zur Verhaftung einer prominenten Person führte, möchte sie mit ihrem Kollegen Holger eine Spezial-Abteilung gründen, die sich unaufgeklärter Verbrechen annimmt. Der nächste Fall überfällt sie quasi sofort- eine Mutter deren Kind vor 10 Jahren verschwand, der Mann brachte sich zeitgleich um und die Ermittlungsarbeit der Polizei kam zum Schluß- erweiterter Selbstmord.

Es folgt eine ungeheuer spannende Ermittlung, Fehler der zuerst ermittelnden “Rosenheim Cops“ , Einmischungen der Presse, überreagierende Beteiligte- alles trägt zur immer rasanteren Entwicklung des Falles bei.

Auch die handelnden Personen sind schön herausgearbeitet- die schwangere Gina die sich nicht auf einen Schreibtisch-Job zurückziehen will, ihr Verlobter und Kollege Tino, ihr unmittelbarer Mitarbeiter Holger, sie alle werden ganz gut greifbar, gewinnen Sympathie ohne dass die privaten Dinge den Fall überlagern.

Spannend bis zum letzten Satz- kann ich dieses Buch sehr empfehlen.

Noch eine Info zur Autorin- unter ihrem Pseudonym Ellen Sandberg schreibt sie Kriminalromane mit Bezügen zum dritten Reich und der Kriegs- und Nachkriegszeit – ebenso packend.

Hamster im hinteren Stromgebiet von Joachim Meyerhoff

Herr Meyerhoff, Schauspieler und Autor mehrerer autobiografischer Bücher (Diese Lücke, ach diese entsetzliche Lücke) schreibt hier von seinem erlebten Schlaganfall, ab dem Zeitpunkt des Ereignisses bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus. In einem der letzten Kapitel (über das Erlebnis mit 300 Schaganfall-Betroffenen in einem Speisesaal zu sitzen) steht der Satz:

Ich war erschüttert, belustigt, gebannt und bewegt.

Genauso erging es mir mit diesem Buch, das ich nun ein zweites Mal genossen habe. Die ersten Nächte, in denen er nicht wagt zu schlafen aus Furcht der Schlag könnte erneut zuschlagen, die Tests denen er sich unterziehen muß, unter anderem immer wieder mit dem Finger die Nasenspitze zu berühren (er sinniert einmal kurz darüber wieviele dieser Übungen insgesamt wohl tatsächlich in‘s Auge der Betroffenen gehen)- er berichtet all dies in einem einerseits heiteren Ton, der andererseits den Ernst der Lage immer noch erkennen läßt. Immer wieder erzählt er über seine Kinder, überhaupt denkt er viel an seine Familie und gerade die Kinder die ihn besuchen dürfen, wir lernen sie ganz gut kennen. Der kleine Sohn, der meint in seinem Kopf ist kein so häßliches Gebilde wie ein Gehirn, da wären Fischlein. Die Tochter, die bald erwachsen, da sie sich inzwischen schon im Stehen ärgern kann- und auch seine Mit-Leidenden im Krankenhaus beobachtet er und läßt uns an seinen komisch-tragischen Beobachtungen teilhaben.

Schweres Thema, leicht erzählt, ich ziehe den Hut vor Herrn Meyerhoff.

„The Dressmaker of Paris“ (Die Schneiderin von Paris) von Georgia Kaufmann.

Die letzten Wochen waren etwas schwierig, nicht zuletzt durch einen sehr bitteren Geschmack im Mund, hervorgerufen durch eine C-Infektion. Was dazu führte dass ich einige Bücher abgebrochen hatte, die mir diesen bitteren Geschmack noch zu verstärken schienen….. Ganz anders dieses Buch, welches mich nahezu von der ersten Seite an gepackt hat.

Worum geht‘s?

Rosa Kusstatscher, ein Mädchen aus einem kleinen Bergdorf in Südtirol, erzählt ihre Geschichte. Wobei, sie erzählt sie aus der Perspektive von 63 Jahren, in ihrem Bad sitzend, einer Person von der wir erst ganz zu Ende erfahren wer dieser Mensch ist den sie da in die Geheimnisse der Schönheit und ihres Lebens einweiht.

Jedes Kapitel ist mit einem Accessoire oder Gegenstand aus ebendiesem Badezimmer überschrieben, Talcum Puder, Pinzette, Rasierer, Bade-Öl; immer erfolgt eine Erklärung warum im Leben genau dieses Accessoire oder dieser Gegenstand wichtig ist und welches Lebens-Ereignis sich damit verbindet.

Die Geschichte beginnt in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, eine schwierige Zeit, auch und gerade für Südtirol- Rosas Mutter schimpft dass sie ohne sich je vom Fleck zu bewegen bereits in drei verschiedenen Staaten lebte, Österreich, Italien, Deutschland. Wir erfahren von den ersten Schneider-Versuchen der 8-jährigen Rosa und dass sie schon damals eine wehrhafte Person war.

Wir erfahren von nachlässigen Eltern, aus Zeitmangel und Spielsucht, wir erfahren von Vergewaltigung mit Folgen, wir erfahren vom Aufstieg in die Kreise der Haute Couture, und immer wieder auch von großem Leid. Durch die Erzählweise bleibt immerzu die Neugier erhalten- für wen möchte Rosa sich schön machen in diesem Moment- und wem erzählt sie dies Alles? Die Geschichte einer Frau die sich ihren Weg nach oben und ihre Unabhängigkeit erkämpft- und einen hohen Preis dafür bezahlt.

Mir hat die besondere Erzählweise sehr sehr gut gefallen, die Geschichte einer ungewöhnlichen Frau sowieso, und die Auflösung am Ende, sehr erfrischend und erfreulich. Die Autorin schreibt gerade an ihrem zweiten Roman, auf den ich bereits gespannt bin. Ob ihr wieder so etwas Besonderes einfällt?

3 Gedanken zu „Lesefutter # 15

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..