Pomeranzen und mehr

Schon lange ärgere ich mich über die weitgehend geschmacklosen Varianten von Orangeat und Zitronat die es allenthalben käuflich zu erwerben gibt. Beim Feinkosthändler oder in der Markthalle in Stuttgart kriege ich sicherlich feinere Qualitäten, zu den seltenen Gelegenheiten wenn es mich dorthin verschlägt denke ich nur meist nicht dran dass mir gerade dies irgendwann fehlen könnte. Als ich nun neulich bei einem sizilianischen Orangenverkäufer dicke fette Cedri-Zitronen erspähte war klar, selbermachen, das wird ausprobiert. Zufällig entdeckte ich dass der vetraute Orangen-Lieferant aus Mallorca auch bittere Orangen kiloweise ausliefert, welche ich alsogleich mitbestellte um die Fabrikation in einem Rutsch vornehmen zu können.

Und so ging ich nach ausführlicher Recherche ans Werk, nahm

1 Cedro (Zedrat-Zitrone), schnitt sie in Viertel, presste den Saft aus, schnitt die Kappen ab, entfernte das Fruchtfleisch, schnitt die Viertel in beliebig kleine Stücke, wog sie ab und gab sie in einen kleinen Topf.

5 Bitterorangen habe ich halbiert, den Saft ausgepreßt, den Rest in Stücke geschnitten- bei manchen hab ich den Blüten-Ansatz entfernt- ebenfalls gewogen und in einen weiteren kleinen Topf gegeben.

Nun bedeckte ich den Inhalt jeden Topfes gerade so mit Wasser, kochte auf, goß in ein Sieb ab und wiederholte diesen Vorgang noch zweimal. Dies dient dazu ein Übermaß an Bitterstoffen zu entfernen.

Nun wurde jeder Inhalt wiederum mit möglichst wenig Wasser bedeckt, ich gab das Gewicht der jeweiligen Früchte in

Zucker (insgesamt hab ich für jede Sorte ca 600g, in 3 Portionen aufgeteilt, gebraucht) dazu, kochte das ganze auf, ließ ca 2 min kochen, dann blieben die Töpfe einfach stehen.

Am nächsten Tag erfolgte eine weitere Zugabe von ebensoviel Zucker, nochmaliges Aufkochen, wiederum stehenlassen.

Und noch ein drittes Mal – Zucker zugeben, aufkochen, stehenlassen. Die Flüssigkeit sollte eine sirup-artige Konsistenz haben.

Am 4. Tag erwärmte ich die Töpfe samt Inhalt soweit dass der Sirup sich gut von den Fruchtstücken löste, fischte selbige mit einer Gabel heraus, verteilt sie auf einem Tablett worauf sich mit Zucker ausgestreutes Butterbrotpapier befand, legte zum Schutz vor Staub weiteres Butterbrotpapier darüber und ließ die Stücke eine Woche lang trocknen.

Klar dass ich jeden Tag davon probiert hab- oder? Ganz im Gegensatz  zu der üblichen käuflichen Ware schmecken diese Orangeat- und Zitronat-Stücke nämlich hervorragend als kleine Nascherei, besonders wenn man sie noch mit etwas Schokolade überzieht. Was ich mir verkneife, denn ich möchte sie ja als hochwertige Backzutat verwenden. Ganz demnächst, versprochen!

Achja, noch ein paar ergänzende Worte zu den Überbleibseln der Produktion:

  • von den Enden der Cedro reibe ich die Schale ab, die gibt Würze an einen Kuchen.
  • der Saft landet in der Frühstücksmischung- bei mir zumindest gibt es täglich ein Glas Saft, gemischt aus frisch gepreßten Zitrusfrüchten, gerne mit Saft aus roten Beeren oder Ähnlichem.
  • Das Beste- der Sirup der übrigbleibt! Eine hoch-aromatische Angelegenheit, mit der ich bereits Orangenpudding verfeinert habe, bestimmt schmeckt er auch mit Mineralwasser oder Sekt aufgegossen. Oder als Sirup für berühmte Zitronenkuchen, zum Aufschlagen von Baisers, und und und…..

 

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15 Gedanken zu „Pomeranzen und mehr

  1. Super. Sollten wir vielleicht auch mal probieren.
    Wir kaufen unser Zitronat und Orangeat zwar, aber immer in großen Stücken. Wenn die dann gehackt werden, müssen wir auch immer naschen. Das schmeckt, im Gegensatz zur Supermarktware, wirklich lecker.

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    1. und man muß sich da rantasten- in den ersten Jahren hab ichs ganz fein gehackt oder im Blitzhacker zerkleinert- denn da Aroma ist doch unvergleichlich gut. Ich stelle demnächst ein Rezept vor….

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  2. Sind deine Fruchtstücke eigentlich im Sirup untergetaucht geblieben? Ich musste die immer beschweren, damit sie unten bleiben.
    Wenn man das einmal angefangen hat mit dem Kandieren, dann kann man nicht mehr damit aufhören! Das Ergebnis ist mehr als überzeugend.

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    1. ganz zu Anfang sind sie etwas aufgeschwommen, beschwert hab ich nix, schon nach kurzer Zeit waren die mit Sirup so vollgesogen dass sie schwebten oder sanken. Und ja, der geschmack- unglaublich. Ich freu mich schon so auf mein Backwerk…

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      1. Wäre ich eine Küchenfee wie Du, dann wäre da hier sicher mein Paradies. Ich bin aber nur Pragmatikerin und esse Früchte hauptsächlich roh oder als Marmelade. 🙂

        Schon die Tatsache, dass sich die Herstellung über 4 Tage hinzieht, lässt mich zurückschrecken. Doch darüber zu lesen und die schönen Fotos anzusehen, ist trotzdem ein Genuss.

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