Lesefutter #18

Rezensionen

Anthony Horowitz: Die Morde von Pye Hall (Magpie Murders)

Manchmal lohnt es sich, zunächst ein wenig über den Autor eines Buches herauszufinden bevor frau sich in selbiges hineinstürzt- so erging es mir bei diesem höchst vergnüglichen und spannenden Buch.

Anthony Horowitz sagt von sich selbst, er beziehe alle Inspiration für seine Krimis aus seinen Jahren im Internat, eine Schreckenszeit in einem Internat das eher mittelalterliche Vorstellungen von Erziehung lebte. Zudem liebt er, literarische und andere Vorbilder zu zitieren, diverse Kinder-Krimis tragen Titel wie: „The Falcon’s Maltese“ oder „French Confection“.

Mit den Magpie Murders (Magpie ist übrigens eine Elster) haben wir einen Krimi im Krimi vor uns, was bei mir anfangs für etwas Verwirrung gesorgt hat. Susan Ryeland ist Lektorin, der letzte Krimi den sie in Händen hält sollte ihr Leben verändern- das erzählt sie uns vorneweg. Dann lesen wir mit ihr das letzte Abenteuer von Atticus Pünd, einem Detektiv der in bester Hercule-Poirot-Manier seinen Fall lösen wird. Nur- das letzte Kapitel und somit die Lösung fehlt, dafür stirbt der Autor. Auf den ersten Blick sieht es nach Selbstmord aus, Susan hat allerdings Zweifel und macht sich auf die Suche nach dem letzten Kapitel des Romans, sie ist überzeugt dass dieser des Rätsels Lösung sowohl für den Krimi als auch für den Tod des Autors enthält. Als sie tatsächlich fündig wird, bewahrheitet sich beides- und ihr Leben gerät in große Gefahr.

Eine Lektüre die zumindest allen Agatha-Christie-Fans Spaß machen wird, als Extra-Bonus habe ich die eingestreuten „Referenzen“ genossen. Eine Nebenfigur im Krimi hört auf den Namen „James Fraser“ , eigentlich „James Taylor“ – sofort hat frau den schottischen Outlander vor Augen und Musik im Ohr. Die Bibliothek des verstorbenen Autors ist bestückt mit einer vollständigen Agatha-Christie- Ausgabe, die er offensichtlich als Inspirationsquelle genutzt hat- eigentlich wollte er ernsthafte Bücher verfassen für die sich allerdings kein Verlag interessiert hat. Und der aufmerksame Leser findet sicher noch mehr derartiges.

Der Jahrhundertsturm von Richard Dübell

Eigentlich mag ich Romane, die sich mit der nicht allzu fernen Geschichte beschäftigen, die Geschichte Deutschlands und Europas im 19. Jahrhundert ist spannend und mein Wissen darüber eher begrenzt. Wie das Buch meiner Vorfreude standgehalten hat, dazu gleich mehr.

Wir befinden uns in der Mitte des 18. Jahrhunderts, die erste Eisenbahnstrecke Deutschlands fährt zwischen Nürnberg und Fürth, die Stimmung in den verschiedenen Ländern auf deutschem Gebiet ist angespannt und gewaltbereit. Alvin von Briest, ein jüngerer Sohn einer preußischen Junkersfamilie, sieht nach dem Tod seines Vaters keine Möglichkeit als zum Miltär zu gehen, da sein Vater ihm null und nichts hinterlassen hat. Er trifft den etwa gleichaltrigen Otto von Bismarck, es entwickelt sich eine lose Freundschaft zwischen den beiden Männern.

Ortswechsel, wir sind in München wo der junge Paul Baermann unbedingt Eisenbahnen bauen will. Er verliert alles Geld das er für eine Reise nach London von seinen Eltern erhielt, und kann somit seinen Traum einer Ausbildung bei Stephenson, dem führenden Lokomotivbauer, begraben- zudem zieht er sich den Hass seiner älteren Schwester zu- Geld das ihr fehlt für ein angemessenes Leben in München hat er verschleudert, so ihre Ansicht.

Weiterer Schauplatz – Paris, wo die junge Louise einem Kriminellen in die Fänge geht, der sie mißbraucht und als es ihr gelingt sich ihm zu entziehen schwört er grausame Rache.

Auf verschlungenen Wegen kreuzen sich die Lebenswege der drei, Alvin steigt in Miltärkreisen auf und heiratet Louise, Paul wird Planer von Eisenbahnstrecken und Otto von Bismarck taucht immer wieder auf.

Die Schwierigkeiten durch die deutsche Kleinstaaterei traten gerade beim Eisenbahnbau zu Tage, jedes Land setzte seine eigenen Ideen um so dass an sehr vielen Landesgrenzen umgestiegen werden mußte. Die Revolution in Berlin, mit Barrikadenbau und Militär, das auf die Bürger schoß- dieselben Bürger die die schwarz-rot-goldene Fahne schwenkten- wird recht lebendig dargestellt. Es folgten ein Krieg Preußens gegen Dänemark und dann später gegen Frankreich, die Bündnisse die Preußen während dieses Krieges einging führten im Ende zur Gründung des Deutschen Reiches.

Also, schon Alles irgendwie interessant und ich habe durchaus Neues erfahren, allerdings stand ich sehr unter dem Eindruck, diese Ereignisse und Zusammenhänge waren das Gerüst des Buches, dem sich die handelnden Personen stark unterordnen mußten. Ich konnte keine wirkliche Sympathie aufbrinden und habe auch nicht mitgefiebert vor Spannung, was denn nun als nächstes passiert. Immerhin, ich hab‘s zu Ende gelesen, die Fortsetzung werde ich mir sicherlich nicht zu Gemüte führen. Schade….

Black Hills von Nora Roberts (Lockruf der Gefahr)

Mal wieder ein Treffer- was bei dieser Autorin immer etwas Glückssache ist 😉.

Wir befinden uns in den Black Hills von South Dakota, im wilden wilden Westen der USA. Lil und Coop, 10 und 11 Jahre alt, verbringen einen gemeinsamen Sommer und werden beste Freunde, und das obwohl der Lebensmittelpunkt von Coop in New York ist, er verbringt unfreiwilligerweise den Sommer auf der Farm seiner Großeltern, ganz ohne Baseball, Fast Food un ähnliches.

Im Jugendalter, 17 und 18, werden die beiden ein Liebespaar- allerdings wird nix Dauerhaftes draus, Coop wird Polizist in New York und Lil Tierärztin.

Inzwischen sind beide um die 30, Lil hat sich ihren Lebenstraum erfüllt und ein „Wildlife refuge“ gegründet, wo sie Wild-Tieren die in der Wildnis nicht zurechtkämen ein geschütztes Leben ermöglicht. Dies sind zum Beispiel ein alter Zirkuslöwe, eine Wölfin die bei einem Autounfall verletzt wurde, eine besondere Rolle spielt Baby, ein Cougar den sie mutterlos aufgefunden und aufgezogen hatte- er sollte ausgewildert werden, kam aber immer wieder zu ihr zurück.

Und wie bei Frau Roberts üblich gibt es jedemenge Funkeln und Spannung zwischen Lil und Coop, und jedemenge Dramatik und Spannung durch einen mordenden Mann, der von sich behauptet ein Nachfahre der Sioux zu sein und das Land schützen zu wollen.

Der wirkliche Star des Buches ist die Landschaft, die Berge, die Jahreszeiten, die Tiere- ich las mit Staunen wie aufwendig die Pflege in so einem Wildgehege ist, täglich müssen die Ausscheidungen eingesammelt und auf Krankheiten und Parasiten untersucht werden, die Unmengen an Futter müssen akribisch überwacht werden damit keine Krankheiten eingeschleppt werden, und allein die räumlichen Ausmaße dieses Geländes können wir Europäer uns glaube ich kaum vorstellen. Inzwischen weiß ich auch dass der Silberlöwe oder Cougar nicht zu den großen Raubkatzen zählt, das hat mit seiner Größe wenig zu tun, er kann nicht brüllen wie Tiger, Löwe & Co. Sehr schön auch die Szene, als ein schwarzer Jaguar in das Refuge aufgenommen werden soll, da er den Pudel des Besitzers gefressen hat. Großkatzen sind halt keine Haustiere, obwohl dies in den US of A schon öfter mal vorkommt.

Sauber recherchiert und packend geschrieben, ein Buch das ich nach kurzer Zeit zum zweiten Mal hergenommen habe, so gut hat es mir gefallen.

4 Gedanken zu „Lesefutter #18

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