Omas Apfelgelee- Rettungsaktion

wir-retten-was-zu-retten-istDie Rettungsaktion widmet sich  diesen Monat dem Thema „Marmelade, Gelee, Chutney“ – gerade rechtzeitig, die Saison für frisches heimisches Obst ist in vollem Gange. Und gekaufte Marmelade- da heißt es genau hinschauen ins Kleingedruckte. Oft ist der Fruchtanteil unter 50% , oder es werden Konservierungsstoffe, Stabilisatoren, womöglich gar auch noch Aromen und Farbstoffe aus der Chemie-Küche zugesetzt. Dabei ist Selbermachen recht unkompliziert- und die Freude über eine Reihe Gläschen mit köstlichem Inhalt eigener Produktion ist in der Küche fast nicht zu übertreffen- finde ich zumindest. Zudem ist immer ein attraktives Mitbringsel zur Hand- selbergemacht!

So, und jetzt muß ich abschweifen, zu meiner Oma, die ja durchaus immer wieder ihren Platz hat in diesem blog. Viele Sommerferien habe ich bei ihr verbracht, bin durch ihren großen Garten gestreift, so etwas kannte ich Stadtkind nicht. Täglich gab es ein paar köstliche Erdbeeren zu naschen- Monatserdbeeren. Der Kirschenbaum, um den sich die ganze nähere Verwandtschaft zum Ernten sammelte. Die zahlreichen Apfelbäume, als Spalier gezogen, und dann gab es noch so kleine knorzige Bäume an denen wenige große sehr appetitlich anzuschauende Äpfel hingen- die allerdings geschmacklich nicht hielten was ihr Äußeres versprach. Das waren die „Gelee-Äpfel“- wüßte ich welche Sorte das war, schon morgen wäre ein solches Bäumchen in meinem Besitz. Denn das Apfelgelee meiner Oma, es war unübertroffen- selbst mein Sohn schwärmt noch davon, trotz der vielen Jahre die inzwischen vergangen sind.

Für dieses Apfelgelee ist es wichtig Äpfel zu verwenden die noch etwas unreif sind, deshalb ist der Zugang zu einem Apfelbaum Grundvoraussetzung für diese Köstlichkeit. 3-4 Wochen vor der Vollreife ist der richtige Zeitpunkt, die Äpfel haben schon Saft und Aroma, sind beim Reinbeißen noch ziemlich fest und schmecken- sauer! Diese

Äpfel, zwei Kilo sollten es mindestens sein, werden gewaschen, in grobe Stücke zerteilt, in einen großen Topf geworfen und gerade so mit Wasser bedeckt. Eine

halbe Zitrone kommt noch dazu, dann wird der Topf auf den Herd gestellt und der Inhalt zum Kochen gebracht. Nach einer halben Stunde ungefähr sollten die Äpfel weich sein und teilweise zerfallen.

Nun ist ein wenig handwerkliches Geschick gefragt, die Masse aus dem Topf soll nämlich über nacht in einem Tuch abtropfen. Meine Oma hatte immer ein extra Gelee- Tuch, ein altes Küchenleinen, das mit den Jahren eine bräunliche Verfärbung angenommen hatte. Dieses Tuch wurde an einem umgedrehten Stuhl mit seinen 4 Ecken an die 4 Stuhlbeine geknotet, eine große Schüssel druntergestellt und dann kam die Apfelmasse in das Tuch hinein und wurde über Nacht in Ruhe gelassen. Natürlich dachte ich in meinen jugendlichen Leichtsinn im Dampfentsafter ginge das viel einfacher- der daraus gewonnen Saft kann aber kaum aus eigener Kraft gelieren, und darauf kommt es bei diesem Gelee doch an.

Der abgetropfte Saft wird am nächsten Tag abgemessen oder gewogen, es kommt nahezu dieselbe Menge an Zucker hinzu,

auf ungefähr 1000 ml Saft 850-900g Zucker. 

Habt ihr mehr Saft braucht ihr entsprechend mehr Zucker…

Eine halbe Zitrone kommt hier ebenso in den Topf, dann wird der zuckrige Saft aufgekocht und mindestens 20 min am Köcheln gehalten. In dieser Zeit entsteht eine wunderbare Färbung, und das natürliche Pektin aus den Äpfeln beginnt sein Werk, Gelee entsteht. Die Gelierprobe ist unerläßlich, frühestens nach 20 min empfiehlt sich ein Versuch. Hierfür werden auf einen kalten Teller ein paar Tropfen aus dem Topf gegeben, der Teller wird senkrecht gehalten und wenn die Tropfen im Laufen gelieren, ist das Gelee fertig. Meistens dauert die Kochzeit 35-45 min bis die Probe klappt. Ist es dann soweit wird das Gelee in heiß ausgespülte Gläser mit Schraubdeckel eingefüllt, gut verschlossen und sofort auf den Kopf gestellt. Nach 10-15 min am Besten wieder aufrichten, damit das Gelee nicht alles am Deckel hängt…

Als Variante kann man in die Gläschen Stücke von Zimtstangen stecken, oder Zweige von Minze oder Rosmarin. Und das Gelee wird mit den Jahren besser, seine volle Geschmacksfülle entfaltet es erst nach einer Lagerzeit von mehreren Monaten. Frisch gekocht schmeckt es auch schon so fabelhaft dass möglicherweise bis dahin nix mehr übrig ist….

Andrerseits, wenn ihr euch durch alle Marmeladen, Gelees und Chutneys der Rettungstruppe durchgekocht habt sind die Vorratskammern und Schränke gut gefüllt- vielleicht schafft es ja dann doch wenigstens ein Gläschen in reifere Zeiten zu gelangen.

Eine kleine Auswahl:

Ein Apfel-Pfirsich-Chutney  hat Pane Bistecca im Programm.

Schwarzwälder Kirschtorte in Marmeladenform- ich bin sehr gespannt was sich bei Petra von Obers trifft Sahne findet.

Genial leckere Kirsch-Erdbeer-Marmelade schmeckt einfach genial lecker!

Barbara hat auf ihrer Spielwiese Apfelgelee mit Lavendel gefunden.

Multikulinarisch wirds mit Wildfrüchten – Aprikosen-Vogelbeermarmelade klingt sehr spannend.

Kirsch-Himbeer-Walderdbeer, alles in einer Marmelade und ohne Gelierzucker, gibt es bei Sina- dort findet ihr auch alle anderen geretteten Rezepte, meine Liste ist umständehalber diesmal kürzer geraten.

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47 Gedanken zu „Omas Apfelgelee- Rettungsaktion

  1. Das klingt ja wirklich nach Handarbeit. Aber das Ergebnis sieht klasse aus. Ich finde es immer schade, dass ich als junges Mädchen null Interesse an Kochen und Backen hatte. manchmal wünsche ich mir, ich hätte meiner Oma besser zugehört.
    Tolles Rezept!

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  2. Reiner Apfelgelee ist ein Muss und Dein Rezept ist toll. Ich mache ja meine Apfelbutter, aber gerade die unreifen oder zu früh fallenden Äpfel in so ein feines Gelee zu verwandeln das ist richtig gut. Danke für’s Rezept. Liebe Grüße
    Ingrid

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  3. Apfelgelee – ohne das geht einfach nichts. Wenn ich die Wahl habe, Gelee, Kompott oder Kuchen aus Äpfeln zu machen, würde ich mich immer für das Gelee entscheiden.

    Viele Grüße,

    Jasmin

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  4. Jetzt weiß ich was ich nächste Woche mache…in den Garten gehen und halbreife Äpfel pflücken! Das Rezept ist genau meins, ich hab weder einen Entsafter, noch einen Weckautomaten, dafür zwei Bäume mit unreifen Äpfeln..danke dass du uns mitgenommen hast in Omas Küche. Aja.mein weißes Tuch hat auch schon bräunliche Färbung angenommen 🙂
    lg. Sina

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  5. Ja, manches, was unsere Großmütter routiniert (und teils recht aufwändig) anstellten, können wir mit all unserer Aufgeklärtheit und modernen Technik nicht besser machen. Als Apfelmus eingekochte Äpfel mag ich nicht sonderlich. Dein Gelee klingt aber spanned. Und es sieht toll aus. Da wir Apfelbäume vorm Haus haben, werde ich das mal ausprobieren.

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  6. Ich mag Erinnerungen an Omas und an deren Koch-, Einkoch- und Backkünste. Vieles hat man ja vergessen, aber an manches erinnere ich mich auch. Mir ist übrigens diese Sache mit dem umgekehrten Hocker und einem Tuch dran auch die liebste; da gibt’s sogar irgendwo auf dem Blog auch ein Foto davon. Einen Dampfentsafter besitze ich nämlich nicht – und wenn ich jetzt weiß, dass es damit eh nicht richtig funktioniert, bestärkt mich das in der Entscheidung, meinen mal weggegeben zu haben. 😉

    Die Apfelgelee-Version Deiner Oma merke ich mir. Wir haben nämlich dieses Jahr wieder sehr viele Äpfel im Garten und ich Stadtkind weiß immer nicht so richtig, was ich damit anfangen soll…

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    1. Beeren lassen sich gut dampf-entsaften, das mach ich bei kleinen Mengen im Siko. Bei Äpfeln und Quitten fand ich wird das Gelee nicht richtig so wie mit der Tuch-Methode. und ich bin begeistert eine Mitstreiterin darin gefunden zu haben!

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